Saisonarbeiter:innen: Wie stelle ich saisonale Aushilfen ein?

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Simon Hengel

Aktualisiert am 16.11.2022

In vielen Branchen ist saisonale Mitarbeiterfluktuation ganz normal: Zu bestimmten Zeiten werden viel mehr Arbeitskräfte gebraucht als sonst. Die Lösung kann die Beschäftigung von Saisonarbeiter:innen sein. Doch wie werden diese korrekt abgerechnet?

Inhaltsverzeichnis

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Saisonarbeiter:innen beschäftigen

In vielen Branchen herrscht eine hohe saisonale Mitarbeiterfluktuation, weil zu bestimmten Zeiten besonders viel zu tun ist. Zu anderen Zeiten ist der Arbeitsbedarf dann deutlich geringer. Ein Beispiel dafür sind Erntehelfer:innen, die als Saisonarbeiter:innen in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Saisonarbeiter:innen in der Gastronomie sind ebenfalls typisch: In Urlaubsgebieten oder in Ausflugslokalen sind saisonale Aushilfen wichtig, da das Aufkommen an Gästen von der Jahreszeit abhängt. Viele Mitarbeiter:innen reichen von vornherein eine Bewerbung als Aushilfe ein, weil sie einen Job auf Zeit suchen, beispielsweise als studentische Aushilfe.

Grundsätzlich gibt es drei Varianten, um Saisonkräfte einzustellen und die saisonale Mitarbeiterfluktuation sinnvoll zu organisieren:

  • Arbeitgeber können Saisonarbeiter:innen im Rahmen eines kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisses anstellen.

  • Alternativ kann ein Minijob in Frage kommen.

  • Eine studentische Aushilfe kann außerdem als Werkstudent:in beschäftigt werden.

Mit dem passenden Lohnabrechnungsprogramm können Arbeitgeber in allen drei Fällen die Abrechnung leicht bewältigen.

Kurzfristige Beschäftigung von Saisonarbeiter:innen

Sehr oft werden Saisonarbeiter:innen kurzfristig beschäftigt. Dabei handelt es sich um ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis, das vollständig sozialversicherungsfrei ist. Außer dem Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung und den Arbeitgeberumlagen fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an, weder für den Arbeitgeber noch für die Saisonarbeiter:innen. Die Lohnsteuer kann pauschal mit 25 Prozent abgeführt werden.

Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Wichtigsten davon:

  • Aushilfen einschließlich von Saisonarbeiter:innen dürfen solche Jobs nicht länger als 70 Arbeitstage oder drei Monate innerhalb eines Kalenderjahres ausüben. Dabei zählen sämtliche kurzfristige Jobs zusammen, auch bei unterschiedlichen Arbeitgebern. Bei Überschreiten der Zeitgrenze wird die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig.

  • Die Beschäftigung darf nicht berufsmäßig erfolgen, falls die kurzfristige Aushilfe mehr als 520 Euro im Monat verdient. Das schließt unter anderem Aushilfen aus, die bei der Arbeitsagentur als arbeitslos gemeldet sind. Diese Regel ist in der Praxis ziemlich kompliziert. Wird sie verletzt, entsteht ebenfalls Sozialversicherungspflicht.

Weitere Informationen zur kurzfristigen Beschäftigung und zu den genauen Kriterien für Berufsmäßigkeit liefert die Minijob-Zentrale.

Minijob für Saisonkräfte

In manchen Fällen werden Saisonkräfte mit einem 520-Euro-Minijob geringfügig beschäftigt. Seit 01. Oktober 2022 gibt es einen neue Minijob Grenze. Diese liegt bei 520 Euro. Die Beschäftigten können auf das Bezahlen eigener Rentenversicherungsbeiträge verzichten. Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fallen bei ihnen ohnehin nicht an. Arbeitgeber zahlen pauschale Abgaben zur Kranken- und zur Rentenversicherung, zur gesetzlichen Unfallversicherung sowie die Arbeitgeberumlagen.

In vielen Fällen sind allerdings die Verdienstgrenzen von Minijobs zu unflexibel für Saisonkräfte: Minijobber:innen dürfen die Entgeltgrenze maximal in drei Monaten innerhalb einer Zwölfmonatsfrist überschreiten, und das darf nur unvorhergesehen passieren. Außerdem sorgt die Pflicht zur Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns dafür, dass nur eine begrenzte Zahl von Arbeitsstunden im Monat möglich ist. Seit dem 01. Oktober 2022 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 12 Euro pro Stunde. So kommen Aushilfen, bei einem maximalen Minijob-Lohn von 520 Euro, auf nur etwas mehr als 43 Arbeitsstunden pro Monat.

Werkstudent:innen als studentische Aushilfe

Eine günstige Möglichkeit, Aushilfen einzustellen, ist die Beschäftigung von Student:innen auf Grundlage des Werkstudent:innen-Privilegs. Auch eine studentische Aushilfe kann in dieser Form als Saisonarbeiter:in eingestellt werden. 

Wird eine studentische Aushilfe als Werkstudentin oder Werkstudent beschäftigt, müssen nur Rentenversicherungsbeiträge abgeführt werden. Dagegen müssen vom Lohn keine Beiträge zur Krankenversicherung, Pflegeversicherung oder Arbeitslosenversicherung abgeführt werden. Werkstudent:innen bleiben weiter in der studentischen Krankenversicherung versichert. 

Lohnsteuer fällt zwar grundsätzlich an. Oft bleiben die Einkünfte jedoch nach Abzug des Arbeitnehmer-Pauschbetrags und der Vorsorge-Pauschale unter dem Grundfreibetrag. Das Einkommen ist für Werkstudent:innen allerdings nicht begrenzt, sie können beliebig viel verdienen.

Diese Variante ist besonders dann eine sinnvolle Sache, wenn die saisonale Mitarbeiterfluktuation im Betrieb bzw. der Bedarf an Arbeitskräften mit den Semesterferien zusammenfällt, und wenn die 520-Euro-Begrenzung eines Minijobs oder die 70-Tage/Dreimonats-Begrenzung einer kurzfristigen geringfügigen Beschäftigung nicht ausreichen. 

Für Werkstudent:innen gelten folgende Regeln:

  • In den Semesterferien können Werkstudent:innen, die beispielsweise als studentische Aushilfen eingesetzt werden, in Vollzeit arbeiten.

  • In der Vorlesungszeit, das heißt während des Semesters, gilt grundsätzlich eine Begrenzung auf maximal 20 Wochenstunden. Das Einhalten dieser Grenze zählt als Beleg dafür, dass das Studium weiterhin Vorrang vor der Arbeit hat.

  • Diese Obergrenze gilt nicht in allen Fällen, so dass Werkstudent:innen die 20-Wochenstunden-Grenze manchmal überschreiten können. Voraussetzung ist, dass sie dann während des Semesters vorwiegend am Wochenende, abends oder nachts arbeiten. Eine zweite Voraussetzung ist, dass der Job auf maximal 26 Wochen befristet ist, gemessen an einer 12-Monatsfrist. Ob diese Wochen ins Semester oder in die vorlesungsfreie Zeit fallen, ist in diesem Fall gleichgültig. Arbeitszeiten aus weiteren Jobs werden bei der Frist mit eingerechnet. Ob die Ausnahme von der 20-Stunden-Regel akzeptiert wird, entscheiden die Einzugsstellen, also die Krankenkassen.

Weitere Informationen zum Werkstudentenprivileg liefern die Studierendenwerke.

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