Neuer Mindestlohn ab Oktober 2022 - Das müssen Sie jetzt wissen

Melanie Spreeberg

Brand & Content

Aktualisiert am 10.10.2022

Der gesetzliche Mindestlohn für alle Arbeitnehmer:innen erhöht sich ab dem 01. Oktober 2022 von 10,45 Euro auf 12 Euro pro Stunde. Wir haben dazu einmal alle wichtigen Fragen für Sie beantwortet. Der neue gesetzliche Mindestlohn gilt für alle Arbeitnehmer:innen ab 18 Jahren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erhöhung des Mindestlohns auf 12,00 Euro pro Stunde ab 01. Oktober 2022 (vorher 10,45 Euro) 

  • Neuer Mindestlohn gilt auch für Minijobber:innen 

  • Bisherige Ausnahmen bleiben trotz Erhöhung bestehen 

  • Verstöße umfassen Geldstrafe von bis zu 500.000 Euro 

  • Verstöße gegen die verpflichtende Arbeitszeitdokumentation bis zu 30.000 Euro Geldstrafe 

Inhaltsverzeichnis

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Wie hoch ist der Mindestlohn ab Oktober 2022? 

Der Mindestlohn steigt von 10,45 Euro auf 12,00 Euro die Stunde ab Oktober 2022. 

Ist der Mindestlohn 2022 brutto oder netto?

Der gesetzliche Mindestlohn ist immer brutto. Bei dem Betrag von 12,00 Euro handelt es sich um das Entgelt vor Abzügen von Steuern und Sozialversicherungsbeträgen. Versicherungspflichtige Beschäftigte müssen anteilig Steuern und andere Pflichtbeiträge wie Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen. 

Gibt es einen anderen Mindestlohn 2022 in Berlin? 

In Berlin ist bereits am 17. Juli 2022 der sogenannte Landesmindestlohn auf 13 Euro gestiegen. Seitdem gilt in den vom Landesmindestlohngesetz festgelegten Einflussbereichen des Landes Berlin (also der Landesverwaltung, den Beteiligungsunternehmen, im Zuwendungsbereich sowie bei Entgeltvereinbarungen im Sozialrecht) muss der Stundenlohn mindestens 13 Euro brutto betragen. 

Gilt der neue Mindestlohn ab Oktober auch für Minijobs?

Unabhängig von Arbeitszeit und Umfang der Beschäftigung gilt der gesetzliche Mindestlohn auch für Minijobber:innen. In diesem Rahmen ist dieser ein Bruttostundenlohn. 

Um eine Wochenarbeitszeit von zehn Stunden zu ermöglichen, steigt zum 01. Oktober 2022 die Minijob-Grenze auf 520 Euro. Zukünftig orientiert sich diese Grenze an der Entwicklung des Mindestlohns. 

Der Arbeitgeber trägt weiterhin die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung und ist verpflichtet, die Arbeitszeiten von Minijobber:innen aufzuzeichnen. Diese Aufzeichnungen sind zwei Jahre lang aufzubewahren, falls sie bei einer Prüfung durch den Zoll verlangt werden.

Steigt auch der Mindestlohn für Auszubildende? 

Im Jahr 2022 ändert sich der Mindestlohn für Auszubildende nicht. 

Wichtig: Der gesetzliche Mindestlohn gilt nicht für Auszubildende, aber das Entgelt ist ebenfalls gesetzlich festgehalten. Dies nennt man Mindestausbildungsvergütung oder umgangsprachlich "Mindestlohn für Azubis".

Diese Mindestausbildungsvergütung steigt jedoch zum Januar 2023 erneut:

Aktuell im Jahr 2022

  • 585 Euro im 1. Ausbildungsjahr,

  • 690 Euro im 2. Ausbildungsjahr,

  • 790 Euro im 3. Ausbildungsjahr

  • 819 Euro im 4. Ausbildungsjahr

Ab 2023 beträgt die Mindestausbildungsvergütung:

  • 620 Euro im 1. Ausbildungsjahr,

  • 732 Euro im 2. Ausbildungsjahr,

  • 837 Euro im 3. Ausbildungsjahr

  • 868 Euro im 4. Ausbildungsjahr

Welche Mindestlöhne bzw. Branchenmindestlöhne steigen noch im Jahr 2022?

Außer dem gesetzlichen Mindestlohn gibt es auch den Branchenmindestlohn, welcher von Gewerkschaften und Arbeitgebern in einem Tarifvertrag ausgehandelt wird. Dieser gilt dann für alle Beschäftigten einer Branche, auch wenn der jeweilige Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist.

Beispiele für eine Erhöhung ab 01. Oktober 2022 von Branchenmindestlohn:

  • Für Gerüstbauer:innen steigt der Branchenmindestlohn zum 1. Oktober 2022 auf 12,85 Euro pro Stunde.

  • Für die Gebäudereiniger:innen erhöhen sich zum 1. Oktober 2022 ebenfalls die Mindestlöhne. Für die Beschäftigten der Innen- und Unterhaltsreinigung beträgt er ab Oktober 13 Euro und für die Arbeitnehmer*innen in der Glas- und Fassadenreinigung steigt er auf 16,20 Euro pro Stunde.

  • Auch in der Leiharbeit/Zeitarbeit steigen die Mindestentgelte.

Welche Ausnahmen gibt es beim neuen Mindestlohn ab Oktober 2022?

Auch im Rahmen dieser Erhöhung ab Oktober 2022 gibt es Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn. 

Für folgende Beschäftigungsgruppen gilt der Mindestlohn weiterhin nicht: 

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung 

  • Auszubildende (altersunabhängig), wenn sich diese in der Berufsausbildung befinden. Hier wird nur von einer Mindestausbildungsvergütung gesprochen, die die Ausbildungsgehälter festlegt. (siehe oben) 

  • Ehemals Langzeitarbeitslose, nach Beendigung der Arbeitslosigkeit und in den ersten sechs Monaten ihrer neuen Beschäftigung

Wichtig: Ehemals Langzeitarbeitslose haben auf Branchenmindestlöhne sofort Anspruch, da diese Löhne tariflich vereinbart sind.

  • Praktikant:innen, wenn es sich um ein Pflichtpraktikum im Rahmen einer schulischen oder hochschulischen Ausbildung handelt

  • Praktikant:innen, die das Praktikum freiwillig bis zu einer Dauer von drei Monaten als Orientierungshilfe für eine Berufsausbildung/Aufnahme eines Studiums absolvieren

  • Jugendliche, deren Beschäftigung als Einstiegsqualifikation zur Vorbereitung einer Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz zählt

  • ehrenamtlich Tätige

Wer kontrolliert die Einhaltung und Zahlung der Mindestlöhne? 

Die Einhaltung der Mindestlohnzahlung wird, wie bisher bereits bei den Branchenmindestlöhnen bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) der Bundeszollverwaltung kontrolliert.

Welche Strafen drohen, wenn man unter dem Mindestlohn zahlt? 

Verstöße können mit einer Geldbuße bis zu 500.000 Euro einhergehen. Wird beispielsweise gegen die Verpflichtungen der Arbeitszeitdokumentation nicht eingehalten, können bis zu 30.000 Euro fällig werden. Zudem es passieren, dass das Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen wird.

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