Das Arbeitgeberbrutto: Berechnen Sie als Arbeitgeber die Lohnkosten

Simon Hengel

Aktualisiert am 3.03.2022

Wissen Sie, wie Sie das Arbeitgeberbrutto berechnen? Diese Kennzahl sagt Ihnen, wie hoch Ihre Lohnnebenkosten als Arbeitgeber liegen und was ein:e Mitarbeiter:in Sie tatsächlich kostet.

Lohnkosten: Was kostet ein/e Mitarbeiter:in?

Arbeitgeberbrutto ist ein eher umgangssprachlicher Ausdruck für die Lohnkosten des Arbeitgebers, die Mitarbeiter:innenverursachen. Diese Lohnkosten setzen sich aus zwei, manchmal aus drei Komponenten zusammen:

  • Bruttolohn oder das Bruttogehalt einschließlich von Zulagen, Zuschlägen, Einmalzahlungen wie Boni oder Urlaubsgeld etc. Man spricht auch vom „Arbeitnehmerentgelt“.

  • Sozialabgaben des Arbeitgebers, die zusätzlich anfallen – in der Regel sind das die Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung und die Arbeitgeberumlagen U1, U2 und U3 (zur Lohnfortzahlung bei Krankheit, für Mutterschaftsleistungen und für Insolvenzgeld).

  • Pauschale Lohnsteuer, soweit sie anfällt und der Arbeitgeber sie selbst trägt. Das kann zum Beispiel bei Essenszuschüssen, bei von der Firma bezahlten Smartphones oder bei Minijobs der Fall sein.

Warum ist das Arbeitgeberbrutto wichtig?

Die Lohnkosten sind der größte und wichtigste Teil der Personalkosten. Deshalb sollten Unternehmer:innen diese Kosten kennen und deren Entwicklung im Blick behalten. Der Arbeitgeberanteil an Lohn und Gehalt ist nicht unbedingt übersichtlich zu ermitteln. Er errechnet sich aus einer Reihe einzelner Abgaben und Kostenpunkte, die von Mitarbeiterin zu Mitarbeiter variieren. Trotzdem ist es die Mühe wert. 

Das Ergebnis liefert wichtige Einblicke in die Kostenstruktur des eigenen Unternehmens. Wie ist das Verhältnis der eigenen Lohn- und Personalkosten im Vergleich zum Branchendurchschnitt? Wie ist das Verhältnis der Lohnkosten zu Umsatz und Gewinn? Und in welche Richtung entwickeln sich diese Kosten für Sie als Arbeitgeber, steigen oder sinken sie? Für Antworten auf solche Fragen müssen Sie Ihre Lohnkosten als Arbeitgeber ermitteln.

Das Arbeitgeberbrutto berechnen: So ermitteln Sie Ihre Arbeitgeberkosten einschließlich der Sozialabgaben

Um die Arbeitgeberkosten zu errechnen, müssen Sie das Bruttoentgelt und Ihre Lohnnebenkosten addieren. Die Werte beziehen sich auf das Jahr 2022. 

Welche Positionen relevant sind, kann variieren. Vier Beispiele dafür: 

  • Bei geringfügig Beschäftigten fallen andere Arbeitgeberbeiträge an als bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. 

  • Die Umlage U1 wird in Betrieben, die regelmäßig mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen haben, nicht erhoben, weil diese die Lohnfortzahlung selbst aufbringen müssen.

  • Für die Sozialversicherungsbeiträge gilt eine Beitragsbemessungsgrenze. Verdienen Beschäftigte mehr als 4.837,50 Euro im Monat, wird vom Gehaltsanteil, der darüber liegt, kein Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag mehr fällig, er wirkt sich damit nicht mehr auf den Arbeitgeberanteil am Lohn aus.

  • Bei privat kranken- und pflegeversicherten Beschäftigten zahlt der Arbeitgeber statt der Arbeitgeberbeiträge einen Zuschuss. Dieser liegt meistens gleich hoch, als wenn der oder die Beschäftigte gesetzlich krankenversichert wäre, das ist aber nicht immer der Fall.

Hinweis: Unklarheiten und unbekannte Begriffe? Kein Problem: Unser Guide „Lohnabrechnung für Gründer:innen und Unternehmer:innen“ vermittelt Ihnen schnell und verständlich, was sich dahinter verbirgt.

Das müssen Sie alles addieren:

1. Lohn oder Gehalt: 

Bruttolohn oder Bruttogehalt, inklusive von Lohnbestandteilen wie Sonntags-, Nacht- und Feiertagszuschlägen, Überstundenzuschlägen, Erschwerniszulagen, Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sowie variablen Entgeltbestandteilen wie Prämien und Boni, außerdem den geldwerten Vorteil von Sachbezügen bzw. von Arbeitgeberleistungen wie einem Jobticket, Firmenwagen oder Firmenhandy.

2. Arbeitgeberbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung:

  • Krankenversicherung: 7,3 % plus halber kassenindividueller Zusatzbeitrag

  • Pflegeversicherung: 1,525 % (Sachsen: 1,025 %)

  • Rentenversicherung: 9,3 % (knappschaftliche Rentenversicherung: 15,4 %)

  • Arbeitslosenversicherung: 1,2 %

3. Weitere Sozialversicherungskosten

  • Umlage U1 (Lohnfortzahlung bei Krankheit, nur bis 30 Beschäftigte): je nach Vereinbarung mit der Krankenkasse

  • Umlage U2 (Mutterschaftsleistungen): abhängig von der Krankenkasse

  • Umlage U3 (Insolvenzgeld): 0,09 %

  • Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersvorsorge: je nach Vorsorgevertrag

  • Gesetzliche Unfallversicherung: je nach Gefahrtarifklasse des Betriebs bzw. des Tätigkeitsbereichs 

4. Pauschalierte Lohnsteuer

Normalerweise wird die Lohnsteuer anhand der persönlichen Steuermerkmale (ELStaM) vom Bruttoeinkommen abgezogen. Für bestimmte Leistungen des Arbeitgebers kann sie jedoch in pauschaler Form ans Finanzamt eingeführt werden. Der Steuerschuldner ist in diesem Fall der Arbeitgeber. Wenn er die pauschale Lohnsteuer nicht vom Lohn oder Gehalt der Arbeitnehmer:in abzieht (das nennt man „Abwälzung“), gehört die pauschale Lohnsteuer mit zum Arbeitgeberbrutto.

Pauschalierte Lohnsteuer ist beispielsweise möglich in Höhe von 

  • 25 % auf kostenlose oder vergünstigte Mahlzeiten, Erholungsbeihilfen oder Computer, die die Firma für Beschäftigte kauft

  • 15 % auf Jobtickets und Fahrtkostenzuschüsse

Hinweis zu geringfügiger Beschäftigung: Für Minijobber:innen gelten zum Teil andere Werte. Bei ihnen beträgt der Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung 13 %, zur Rentenversicherung 15 %, zur Umlage U1 0,9 % und zur U2 0,29 %. Ein Beitrag zur Arbeitslosenversicherung fällt nicht an. Die Lohnsteuer beträgt pauschal 2 %. Wenn sie vom Arbeitgeber übernommen wird, zählt sie zu den Lohnnebenkosten des Arbeitgebers dazu.

Zwei Rechenbeispiele

Britta Beispiel erhält 4.000 Euro Bruttogehalt monatlich. Der Arbeitgeber beschäftigt 15 Mitarbeiter und bezahlt deshalb die Umlage U1. Das monatliche Arbeitgeberbrutto errechnet sich für 2022 wie folgt:

Bruttogehalt4.000 Euro
Arbeitgeberbeitrag Krankenversicherung (7,3 %)292 Euro
Arbeitgeberanteil Zusatzbeitrag Krankenversicherung (Beispiel: 0,6 %)24 Euro
Arbeitgeberbeitrag Pflegeversicherung (1,525 %)61 Euro
Arbeitgeberbeitrag Rentenversicherung (9,3 %)372 Euro
Arbeitgeberbeitrag Arbeitslosenversicherung (1,2 %)48 Euro
Unfallversicherung (Beispiel: 1,15 %)46 Euro
Umlage U1 (Beispiel: 2,5 %)100 Euro
Umlage U2 (Beispiel: 0,5 %)20 Euro
Insolvenzgeldumlage (0,9 %)36 Euro
Arbeitgeberbrutto:4.999 Euro

Edgar Exempel ist Minijobber und erhält 450 Euro. Bei Minijobbern gelten für die Umlagen feste Werte, unabhängig von der Krankenkasse der Beschäftigten. Für den geringfügig Beschäftigten errechnet sich das Arbeitgeberbrutto pro Monat so:

Bruttoentgelt450 Euro
Arbeitgeberpauschale Krankenversicherung (13 %)58,50 Euro
Arbeitgeberpauschale Rentenversicherung (15 %)67,50 Euro
Pauschsteuer (2 %, nicht abgewälzt)9 Euro
Unfallversicherung: (Beispiel: 1,15 %)5,18 Euro
Umlage U1 (0,9 %)4,05 Euro
Umlage U2 (0,29 %)1,31 Euro
Insolvenzgeldumlage (0,9 %4,05 Euro
Arbeitgeberbrutto:599,59 Euro

Anmerkung: Lohnnebenkosten

In der betrieblichen Kostenrechnung bzw. für die Lohnbuchhaltung versteht man unter Lohnnebenkosten in der Regel jenen Teil der Lohnkosten, der in die sozialen Sicherungssysteme fließt und nicht aus Entgelt an die Mitarbeiter:innen besteht. 

Dagegen zählen Statistiker:innen noch weitere Kostenpositionen zu den Lohnnebenkosten dazu, zum Beispiel Ausgaben für berufliche Weiterbildung oder für vom Arbeitgeber gestellte Berufsbekleidung und persönliche Ausrüstung. Solche Kostenpunkte werden beim Arbeitgeberbrutto in der Regel nicht berücksichtigt.

Lust, bei der Gehaltsabrechnung Zeit zu sparen?

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