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Was ist eine Vergütung? Überblick wichtiger Vergütungsformen

Simon Hengel
Aktualisiert am 10.01.2023

Was ist Vergütung? Die Definition läuft auf Entgelt oder Arbeitsentgelt hinaus. In der Lohn- und Gehaltsabrechnung gibt es ganz unterschiedliche Vergütungsformen. Ihre korrekte Zuordnung ist wichtig. Besondere Vergütungen müssen korrekt abgerechnet werden, etwa Sachlohn, Akkordlöhne, Zulagen und Zuschläge, geldwerte Vorteile oder Einmalzahlungen.

Inhaltsverzeichnis

Lust, bei der Gehaltsabrechnung Zeit zu sparen?

Was bedeutet Vergütung?

Was ist Vergütung? Grundsätzlich wird darunter eine Zahlung verstanden, die auf Grundlage eines Dienstvertrags erfolgt und die finanzielle Gegenleistung für eine Leistung darstellt. Der entsprechende Dienstvertrag kann ein Arbeitsvertrag sein, muss aber nicht. Einige Beispiele von Vergütungen:

  • Lohn und Gehalt für die Arbeitsleistung von Arbeitnehmer:innen

  • Honorare für die Dienstleistungen von Selbstständigen

  • Tantiemen, Gagen und Lizenzgebühren bei Künstler:innen und Urheber:innen

  • Provisionen auf Umsatz im Handel

  • Courtagen im Versicherungsgewerbe

  • Vermittlungsgebühren und Handgelder bei Vertragsabschlüssen

Vergütung: Definition im Zivilrecht und Arbeitsrecht

Das Bürgerliche Gesetzbuch legt die Zahlung der vereinbarten Vergütung als vertragstypische Pflicht beim Dienstvertrag fest (§ 611 BGB). Dieser Vergütungsanspruch ist bei einem Dienstvertrag entscheidend. Fehlt die Vergütungsvereinbarung im Vertrag, gilt eine „übliche Vergütung“ als „stillschweigend vereinbart“ (§ 612 BGB).

Ein Arbeitsvertrag ist eine besondere Form von Dienstvertrag, für den das Arbeitsrecht gilt. Deshalb ist der Vergütungsbegriff im Arbeitsrecht zentral. Außerdem werden auch Dienste außerhalb von Arbeitsverhältnissen vergütet, zum Beispiel von Selbstständigen oder Unternehmen ausgeführte Dienstleistungen.

Welche Vergütungsarten gibt es in der Lohn- und Gehaltsabrechnung?

Im Arbeitsrecht hat Vergütung die Bedeutung eines Oberbegriffs für Entgelte, die für geleistete Arbeit bezahlt werden. Manchmal werden neben Arbeitsleistungen auch andere Leistungen von Arbeitnehmer:innen vergütet, beispielsweise Erfindungen.

Es gibt eine breite Skala an Vergütungen in der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Dazu gehören unter anderem:

  • Lohn in Form von Stundenlöhnen

  • Lohn in Form von Akkordlohn oder Stücklohn

  • Gehalt in Form von Monatsgehältern

  • Provisionen

  • Boni und Leistungsprämien

  • Pauschale Vergütung von Rufbereitschaft

  • Zuschläge wie Überstundenzuschläge oder Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeitszuschläge

  • Zulagen wie Schmutzzulage, Gefahrenzulage, Leistungszulage oder Erschwerniszulage

  • Wegegelder

  • Sachlohn wie Warengutscheine

  • Belegschafts- und Personalrabatte

  • Arbeitgeberzuschüsse zur Kinderbetreuung

  • Geldwerte Vorteile, etwa durch Privatnutzung von Geschäftswagen und Firmen-Handys

  • Erholungsbeihilfen und betriebliche Gesundheitsförderung

  • Lohnfortzahlung bei Krankheit

  • Urlaubsentgelt

Viele Vergütungsmodelle sind in der Lohnabrechnung mit Besonderheiten verbunden. Längst nicht alle Vergütungen werden mit Blick auf Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge wie Grundlohn behandelt. Manche Vergütungen sind vielmehr steuerfrei, wie beispielsweise Sachlohn unterhalb der Sachlohngrenze, oder steuerbegünstigt, wie Essenzuschüsse des Arbeitgebers.

Welche Arbeitgeberleistungen sind keine Vergütung?

Nicht jede Leistung von Arbeitgebern hat Vergütungscharakter. Streng genommen fallen Sonderzahlungen des Arbeitgebers nicht darunter, wenn ihnen keine Arbeitsleistung gegenübersteht. 

Keine Vergütung sind nach dieser Lesart beispielsweise eine Treueprämie für langjährige Betriebszugehörigkeit sowie Zuschüsse zum Elterngeld.

Einmalzahlungen wie ein dreizehntes Gehalt, Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld haben je nach Gestaltung oft ebenfalls keinen Vergütungscharakter. Sie stellen kein Arbeitsentgelt dar, wenn sie nicht im Gegenzug zur Arbeitsleistung ausgezahlt werden, sondern zur Mitarbeiterbindung dienen. Ein typisches Merkmal dafür sind Widerruflichkeit oder Rückzahlbarkeit bei Kündigung.

Ein weiteres Beispiel sind die meisten Abfindungen. Auch Entschädigungen vergüten keine Arbeitsleistung, etwa die Karenzentschädigung bei nachvertraglichem Wettbewerbsverbot.

Ganz klar keine Vergütung ist die reine Kostenerstattung durch Auslagenersatz. Allerdings lassen sich echte Erstattungen oft schwer von Zahlungen mit Entgeltcharakter abgrenzen. So ist eine steuerfreie Erstattung des Arbeitgebers für Verpflegungsmehraufwendungen bei Auswärtstätigkeiten auf die amtlichen Pauschalen beschränkt. Werden die tatsächlichen, höher liegenden Essenskosten erstattet, gilt das als steuerpflichtige Vergütung.

Die Vergütung von Arbeitnehmer:innen ist frei aushandelbar

In manchen Fällen legen Tarifverträge die Vergütung fest. Abgesehen davon können der oder die Beschäftigte und der Arbeitgeber sie frei aushandeln. 

Die Höhe des Lohns oder Gehalts ergibt sich in der Regel aus dem Arbeitsvertrag. Das Nachweisgesetz schreibt vor, dass die Vergütungshöhe und die Zusammensetzung des Arbeitsentgelts ebenso schriftlich festgehalten werden wie die vereinbarte Arbeitszeit, die dadurch vergütet wird. 

Neben dem Grundgehalt oder Grundlohn müssen auch alle anderen vereinbarten Entgeltbestandteile aufgeführt sein, etwa Überstundenzuschläge, Urlaubsgeld oder Boni. Aus dem Dokument muss sich außerdem ergeben, wann welcher Teil der Vergütung fällig ist und wie er zur Auszahlung kommt. 

Mindestlohngesetz: Vorschriften zur Mindest-Vergütung

Seit 2015 gilt in Deutschland eine allgemeine Mindestvergütung: der gesetzliche Mindestlohn. Zum 01. Oktober 2022 wurde er auf 12 Euro pro Arbeitsstunde angehoben. Diese Mindestvergütung ist für fast jede Form von Arbeitsverhältnis verpflichtend. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Minderjährige ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Pflichtpraktikant:innen sowie Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate nach Einstellung.

Darüber hinaus gilt in vielen Branchen ein Branchenmindestlohn. Das ist zum Beispiel im Baugewerbe, in der Pflege und in der Gebäudereinigung der Fall. Diese Branchen-Mindestvergütung beruht auf Tarifverträgen, die der Bundesarbeitsminister für allgemeinverbindlich erklärt hat. Deshalb gelten sie auch in Betrieben ohne Tarifbindung.

Höhe der monatlichen Vergütung und sozialversicherungsrechtliche Einordnung

Bei Minijobs und Midijobs bzw. geringfügiger Beschäftigung und Beschäftigungsverhältnissen im Übergangsbereich entscheidet die Höhe der Vergütung über den sozialversicherungsrechtlichen Status.

Liegt die Vergütungshöhe bei oder unter 520 Euro monatlich, ist das Beschäftigungsverhältnis sozialversicherungsfrei: Minijobber:innen müssen keine Sozialabgaben bezahlen. Ihre Arbeitgeber führen pauschale Sozialversicherungsbeiträge ab. Allerdings gilt die Pflicht zur Rentenversicherung bei Minijobber:innen.

Bei Midijobber:innen beträgt die Vergütung mehr als 520 Euro, aber maximal 2.000 Euro im Monat. Sie müssen Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung entrichten. Der Arbeitnehmer:innen Anteil ist aber geringer als bei höheren Vergütungen.

Vergütung von Bereitschaft und Rufbereitschaft

Bei Bereitschaftsdiensten müssen sich die Beschäftigten an einem bestimmten Ort aufhalten, um bei Bedarf einsatzbereit zu sein. Es handelt sich um Arbeitszeiten. Der Arbeitgeber muss sie vergüten.

Bei Rufbereitschaften ist nur vorgeschrieben, dass die oder der Beschäftigte erreichbar ist und den Einsatzort in einer bestimmten Zeit erreicht. Rufbereitschaften müssen nicht in jedem Fall vergütet werden, solange kein Einsatz erfolgt. Wenn die Arbeitnehmer:innen nur sehr eingeschränkt darüber entscheiden können, wo sie sich aufhalten und was sie tun, sind für den Europäischen Gerichtshof auch Rufbereitschaften Arbeitszeit mit Anspruch auf Vergütung (EuGH, 09.03.2021 - C-580/19). Manche Tarifverträge wie TVöD und TV-L sehen pauschale Rufbereitschaftsvergütungen vor.

Vergütungsanspruch bei Arbeit auf Abruf

Beim Modell der „Arbeit auf Abruf“ fordert der Arbeitgeber die Arbeitnehmer:innen nur bei Bedarf an. Damit hängt grundsätzlich auch die Höhe der Vergütung von den Abrufen ab. Ganz frei können Arbeitszeiten und Vergütungen jedoch nicht variieren.

Gemäß Teilzeit- und Befristungsgesetz gelten ohne Vertragsregelung zur täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit mindestens zwanzig Wochenstunden und mindestens drei Arbeitsstunden pro Arbeitstag als vereinbart (TzBfG § 12 Absatz 1). Damit haben Arbeitnehmer:innen bei Arbeit auf Abruf und fehlender Arbeitszeitfestlegung Anspruch auf die Vergütung dieser Zeiten, selbst wenn sie nicht angefordert wurden.

Der Oberbegriff Personalkosten wird in diesem Zusammenhang oft genannt. Was Sie dazu wissen müssen, haben wir in einem separaten Artikel für Sie zusammengefasst.

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