Was ist Urlaubsabgeltung?

Aynur Aydogan

Aktualisiert am 2.11.2022

Die Urlaubsabgeltung ist nicht gleichzusetzen mit dem Urlaubsgeld oder dem Urlaubsentgelt. Wie sich die Urlaubsabgeltung abgrenzt und unter welchen Voraussetzungen die Urlaubsabgeltung fällig wird, thematisieren wir in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis

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Was ist Urlaubsabgeltung?

Die Urlaubsabgeltung ist der monetäre Ausgleich für Urlaubstage, die einem/r Arbeitnehmer:in, aufgrund einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses, in natura nicht gewährt werden können. So soll sichergestellt werden, dass Arbeitnehmer:innen den zustehenden Urlaubsanspruch erhalten. 

Die Grundlage für die Urlaubsabgeltung ist der rechtliche Anspruch auf bezahlten Urlaub. 

Der gesetzliche Anspruch auf den jährlichen Mindesturlaub wird im Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer:innen (Bundesurlaubsgesetz) geregelt.

Der volle Anspruch auf den Jahresurlaub entsteht nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit.

Urlaubsabgeltung Beispiele

Gemäß § 3 Abs. 1 BUrlG richtet sich der Urlaubsanspruch nach den geleisteten Wochenarbeitstagen.

Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person der Arbeitnehmer:innen liegende Gründe dies rechtfertigen. Im Fall der Übertragung muss der Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahres gewährt und genommen werden. Auf Verlangen der Arbeitnehmer:innen ist ein nach § 5 Abs. 1 a entstehender Teilurlaub jedoch auf das nächste Kalenderjahr zu übertragen (§7 Abs. 3 BUrlG).

Wöchentliche ArbeitszeitUrlaubsanspruch pro Jahr
Sechstagewochemindestens 24 Urlaubstage
Fünftagewochemindestens 20 Urlaubstage
Viertagewochemindestens 16 Urlaubstage
Dreitagewochemindestens 12 Urlaubstage
Zweitagewochemindestens 8 Urlaubstage
Ein Tagmindestens 4 Urlaubstage

Unter welchen Bedingungen wird Urlaubsabgeltung gezahlt?

Kann der Jahresurlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr in natura gewährt werden, so ist er in Form einer Geldleistung abzugelten (§7 Abs. 4 BUrlG). Eine Abgeltung des Erholungsurlaubs durch Geldzahlung ist während eines laufenden Arbeitsverhältnisses nicht möglich. Eine Urlaubsabgeltung erfolgt nur bei Kündigung oder Krankheit.

Beispiel: Ein Arbeitsverhältnis wird fristgerecht beendet und der/die Arbeitnehmer:in hat noch 10 Tage Urlaubsanspruch. Dabei ist es unerheblich durch wen das Arbeitsverhältnis beendet wurde. Kann der/die Arbeitnehmer:in diesen Urlaubsanspruch bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses nicht aufbrauchen, da er/sie aus betrieblichen Gründen nicht freigestellt werden kann, ist der Resturlaubsanspruch auszubezahlen. In den meisten Fällen wird durch eine bezahlte unwiderrufliche Freistellung der Urlaubsanspruch abgegolten, so auch in Aufhebungsverträgen.

Urlaubsabgeltung bei Krankheit und Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Urlaubsansprüche entstehen auch während der Krankheit. Ist der/die Arbeitnehmer:in über einen längeren Zeitraum erkrankt und wird das Arbeitsverhältnis aufgelöst noch bevor die Arbeitsfähigkeit der Arbeitnehmer:innen wiederhergestellt ist, besteht Anspruch auf Urlaubsabgeltung für die Urlaubstage aus den vergangenen 15 Monaten. (EuGH, Urteil C-214/10). 

Wenn Aufhebungsverträge nicht wie vereinbart durchgeführt werden können, da Arbeitnehmer:innen nach Abschluss eines Aufhebungsvertrags arbeitsunfähig erkrankt sind, ist der Urlaub trotz zuvor vereinbarter Freistellung abzugelten. Denn die Freistellung führt nach § 9 BUrlG nicht zur Erfüllung der Urlaubsansprüche. 

Anders verhält es sich bei einer widerruflichen Freistellung. Eine Anrechnung des Urlaubsanspruchs ist hierbei nicht möglich, da die Freistellung vom Arbeitgeber wieder aufgehoben und Arbeitnehmer:innen zur Wiederaufnahme der Arbeitsleistung aufgefordert werden können. Somit bleibt der Urlaubsanspruch bestehen und muss nach Ende der Freistellung abgegolten werden.

Urlaubsabgeltung bei Kündigung

Bei einer fristlosen Kündigung ist der volle Urlaubsanspruch abzugelten, da für den/die Arbeitnehmer:in nicht mehr die Möglichkeit besteht, den Resturlaub in Form von bezahlten freien Tagen zu nutzen.

Die Urlaubsabgeltung ist zusammen mit der letzten Gehaltsabrechnung abzugelten.

Urlaubsabgeltung berechnen

Die Höhe des Anspruchs auf Urlaubsabgeltung bemisst sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst der letzten 13 Wochen vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Zur Ermittlung der Urlaubsabgeltung gelten dieselben Regeln wie für die Berechnung des Urlaubsentgelts nach § 11 Abs. 1 BUrlG. 

Es werden folgende Faktoren zur Berechnung des durchschnittlichen Verdienstes der letzten 13 Wochen herangezogen: 

Die letzten 3 Monate des Bruttogehalts, hierbei ist darauf zu achten, dass nicht nur der Basislohn herangezogen wird. Berücksichtigt werden müssen auch Gehaltserhöhungen, Provisionen, Sachbezüge, Zulagen und Zuschläge.

Nicht berücksichtigt werden einmalige Leistungen wie zusätzliches Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Treueprämien, Überstundenvergütung, Trinkgeld, vermögenswirksame Leistungen oder Verdienstkürzungen infolge von Kurzarbeit, Arbeitsausfällen oder die durch unverschuldete Arbeitsversäumnisse eingetreten sind. 

Formel Urlaubsabgeltung

Der ermittelte Wert der letzten 3 Monate wird durch 13 Wochen und der Anzahl der Arbeitstage pro Woche geteilt. (Arbeitstage in 13 Wochen) Wir erhalten den durchschnittlichen werktäglichen Arbeitsverdienst und multiplizieren diesen mit den verbleibenden Urlaubstagen.

Somit lautet die Formel: Gesamtsumme der letzten 3 Monatsgehälter / Arbeitstage in 13 Wochen * verbleibende Urlaubstage = Anspruch Urlaubsabgeltung

Beispiel: 

Ein/e Arbeitnehmer:in mit einer 5 Tage/Woche und verbleibenden 6 Urlaubstagen.

Der Basislohn beträgt 2000€ x 3 (Monate) = 6000€ Arbeitsverdienst der letzten 3 Monate (6000€ : 65 Arbeitstage) x 6 Urlaubstage = 553,85€ Höhe der Urlaubsabgeltung

Hat der/die Arbeitnehmer:in in den letzten 13 Wochen zum Basislohn noch eine Provision in Höhe von 800€ erhalten, muss dieser in der Berechnung mit berücksichtigt werden.

Somit steigt die Gesamtsumme der letzten 3 Monatsgehälter auf 6800€. 

(6800€ : 65 Arbeitstage) x 6 Urlaubstage = 627,69€ Höhe der Urlaubsabgeltung

Die Berechnung der Urlaubsabgeltung hängt immer von der Verteilung der Arbeitstage in der Woche ab.

Arbeitstage in 13 WochenFormel Urlaubsabgeltung
6 Tage/Woche13 Wochen * 6 Arbeitstage = 78 Arbeitstage
5 Tage/Woche13 Wochen * 5 Arbeitstage = 65 Arbeitstage
4 Tage/Woche13 Wochen * 4 Arbeitstage = 52 Arbeitstage
3 Tage/Woche13 Wochen * 3 Arbeitstage = 39 Arbeitstage
4 Tage/Woche13 Wochen * 2 Arbeitstage = 26 Arbeitstage
1 Tag/Woche13 Wochen * 1 Arbeitstag = 13 Arbeitstage

Lohnsteuerliche Behandlung der Urlaubsabgeltung

Die Urlaubsabgeltung fällt unter die Kategorie sonstige Bezüge, sie wird als einmalige Zahlung und zu einem bestimmten Zweck gewährt und stellt keinen laufenden Arbeitslohn dar. Die Besteuerung erfolgt demnach als sonstiger Bezug und ist somit auch sozialversicherungspflichtig.

Verfall von Urlaubsabgeltung und Resturlaub

Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt gemäß § 195 BGB grundsätzlich für alle Ansprüche 3 Jahre, soweit keine andere Regelung greift oder eine längere Frist bestimmt ist. Der Verfall von Ansprüchen des Jahresurlaubs und der damit verbundene Anspruch auf eine finanzielle Abgeltung nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, können erst dann zu laufen beginnen, wenn der Arbeitgeber den/die Arbeitnehmer:in auf den drohenden Verfall des Resturlaubs hingewiesen hat und seine Hinweispflichten erfüllt hat. 

Der EuGH geht davon aus, dass nach ausdrücklicher Aufforderung seitens der Arbeitgeber, den bestehenden Urlaubsanspruch bis Ende des Kalenderjahres geltend zu machen und nach erfolgtem Hinweis auf die Rechtsfolge des drohenden Urlaubsverfalls nicht genommener Urlaubstage, der gesetzliche Urlaubsanspruch des/der Arbeitnehmer:in bei nicht Inanspruchnahme erlischt.

Daher die Empfehlung an alle Arbeitgeber, zeitig alle Arbeitnehmer:innen förmlich/schriftlich dazu aufzufordern, vor dem 31. Dezember (bzw. 31.03. des Folgejahres) die restlichen Urlaubstage geltend zu machen, da der Urlaub sonst verfällt.

Nach dem Bundesurlaubsgesetz muss der Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Nicht genommener Urlaub kann allerdings aus dringenden betrieblichen Gründen oder in der Person der Arbeitnehmer:innen liegenden Gründen in das darauffolgende Kalenderjahr (bis zum 31.03.) übertragen werden.

Achtung: Die Urlaubsabgeltung ist nicht mit folgenden Begriffen gleichzusetzen:

Das Urlaubsentgelt ist die Lohn- und Gehaltsfortzahlung während des Erholungsurlaubs. Es besteht darauf ein gesetzlicher Anspruch.

Das Urlaubsgeld ist eine zusätzliche und freiwillige Leistung des Arbeitgebers, hierauf besteht kein gesetzlicher Anspruch.

In unserem Artikel zu Abwesenheiten, haben wir weitere Arten für Sie aufbereitet.

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