Energiepreispauschale, 9-Euro-Ticket, steuerfreier Pflegebonus & Co: aktuelle gesetzliche Änderungen aus Arbeitgebersicht

hero image

Simon Hengel

Aktualisiert am 12.06.2022

Im Mai und Juni 2022 gab es eine ganze Reihe von Gesetzesprojekten, mit denen die Bundesregierung Steuerentlastungen erreichen, auf den Anstieg der Energiepreise reagieren und Geringverdiener:innen besserstellen möchte. Wir stellen die Regelungen, die direkt oder indirekt auch die Arbeitgeber betreffen, in diesem Überblick vor.

Dazu gehören Maßnahmen wie die über den Arbeitgeber ausgezahlte Energiepreispauschale, die Erhöhung einiger Pauschalen im Steuerrecht, die Verlängerung von Corona-Sonderregeln beim Kurzarbeitergeld, ein verlängerter und erhöhter steuerfreier Pflegebonus, das Neun-Euro-Ticket, das sich auf Jobtickets auswirkt, ein höherer Mindestlohn und eine neue Minijob-Grenze.

Inhalt

Mehraufwand für Arbeitgeber: Gut, wenn man auf PayFit setzt

Einige der Maßnahmen bringen Arbeitgebern viel Aufwand. Sämtliche Lohnabrechnungen müssen rückwirkend korrigiert werden, da die steuerfreien Pauschalen rückwirkend erhöht wurden. Außerdem müssen Arbeitgeber die Auszahlung der Energiepreispauschale übernehmen. 

Dann zahlt es sich aus, für die Lohn- und Gehaltsabrechnung PayFit zu nutzen. Die neuen Regeln werden immer aktuell in PayFit integriert und die Korrekturen werden automatisch nach Kundenwunsch umgesetzt. Damit wird der Aufwand für Arbeitgeber soweit möglich minimiert.

Die Energiepreispauschale

Als Teil des Steuerentlastungsgesetz 2022 wurde eine einmalige Energiepreispauschale für alle aktiven Erwerbstätigen in Höhe von 300 Euro beschlossen. Die Auszahlung erfolgt bei Arbeitnehmer:innen, Azubis und Werkstudent:innen über die Lohn- oder Gehaltauszahlung durch den Arbeitgeber, bei dem sie am 01. September 2022 beschäftigt sind. Auszahlungszeitpunkt ist grundsätzlich ebenfalls der September. 

Die 300 Euro der Energiepreispauschale sind ein Zuschuss, der als „sonstiger Bezug“ gemäß dem persönlichen Steuersatz versteuert wird. Sozialversicherungsbeiträge fallen jedoch keine an. In der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung muss die Auszahlung mit dem Großbuchstabe E gekennzeichnet werden. 

Zur Erstattung können Arbeitgeber die Auszahlung mit der Lohnsteueranmeldung für August verrechnen, die bis zum 10. September abzugeben ist. Der abzuführende Betrag für August verringert sich also entsprechend. Wer die Lohnsteueranmeldung pro Quartal abgibt, kann die Auszahlung auf den Oktober verschieben und mit der Lohnsteuer für das dritte Quartal verrechnen. Wird die Lohnsteueranmeldung nur einmal jährlich fällig, kann die Auszahlung ganz entfallen. In diesem Fall müssen die Mitarbeiter:innen eine Einkommensteuererklärung abgeben, um ihre Energiepreispauschale zu erhalten. 

Die Auszahlung ist immer Sache des Arbeitgebers in der Hauptbeschäftigung („im ersten Dienstverhältnis“). Arbeitgeber im Nebenjob sind nicht dafür zuständig. Entsprechend ist eine Steuerklasse zwischen I und V Voraussetzung. An Mitarbeiter:innen mit Steuerklasse VI wird die Pauschale nicht ausgezahlt.

Der großen Mehrheit an Minijobbern, für die nur die Lohnsteuerpauschale in Höhe von zwei Prozent gilt, muss der Arbeitgeber die Pauschale nicht ausbezahlen. Auch sie müssen sich die Pauschale durch eine Einkommensteuererklärung sichern. Mitarbeiter:innen, deren Beschäftigungsverhältnis ruht, etwa während der Elternzeit, erhalten ebenfalls keine Auszahlung. Die gesetzlichen Regelungen stehen in §§ 112 – 122 EStG.

Rückwirkende Erhöhung der Steuerfreibeträge

Ebenfalls durch das Steuerentlastungsgesetz wurde der steuerfreie Grundfreibetrag für 2022 um 363 Euro erhöht, von 9.984 Euro auf 10.347 Euro. Gleichzeitig wurde der Werbungskosten-Pauschbetrag für Arbeitnehmer von 1.000 Euro auf 1.200 Euro angehoben. Das Besondere an beiden Erhöhungen: Sie gelten rückwirkend ab dem 01. Januar 2022. 

Damit müssen alle Lohn- und Gehaltsabrechnungen seit Januar dieses Jahres nachträglich korrigiert werden, weil der Lohnsteuerabzug nun niedriger ausfällt. Das muss mit der nächsten Abrechnung erfolgen, außer wenn die Erstattung wirtschaftlich unzumutbar ist (§ 41c Abs. 1 EStG). Außerdem müssen für Abrechnungszeiträume ab Juni 2022 die neuen Freibeträge angewandt werden.

Vorgezogene Anhebung der Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer

Eine weitere Regelung im Steuerentlastungsgesetz, die rückwirkend ab dem 01. Januar 2022 gilt: Ab dem 21. Kilometer gilt nun eine Entfernungspauschale von 38 Cent statt von 35 Cent. Bis zum 20. Kilometer bleibt es bei 30 Cent. Die Erhöhung war ohnehin bereits beschlossen, sie sollte aber eigentlich erst ab 2024 greifen.

Arbeitnehmer:innen mit einem Anfahrtsweg von 21 Kilometern oder mehr können bei ihrem Finanzamt die Erhöhung des entsprechenden Abzugsmerkmals beantragen, oder die erhöhte Pauschale in der Einkommensteuererklärung für dieses Jahr geltend machen. Die Regelung wirkt sich außerdem auch auf Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers aus: Die Lohnsteuer darauf kann bis zur Höhe der Entfernungspauschale pauschal mit 15 Prozent angesetzt werden. Der entsprechende Betrag steigt nun bei Pendlern mit längerem Fahrweg.

9-Euro-Ticket

Ende Mai wurde die Einführung des bundesweit gültigen Neun-Euro-Tickets beschlossen. Im Juni, Juli und August ist dies der Preis für bundesweit gültige Monatsfahrscheine im öffentlichen Nahverkehr. Abonnements im Nahverkehr einschließlich von Jobtickets werden während dieser Monate so gut wie überall in Neun-Euro-Tickets umgewandelt. Damit hat die Sonderregelung auch Auswirkungen auf die Lohn- und Gehaltsabrechnung.

Falls Arbeitgeber ihren Mitarbeiter:innen Jobtickets bezahlen oder bezuschussen, bleibt diese Leistung gemäß § 3 Nr. 15 EStG steuerfrei, wenn sie zusätzlich zum Lohn oder Gehalt erfolgt. Während der genannten drei Monate sind natürlich nur die maximal 27 Euro für das 9-Euro-Jobticket begünstigt. Wenn das Jobticket dagegen als steuerfreier Sachlohn (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG) behandelt wurde, wird durch die geringeren Kosten im Juni, Juli und August dieses Jahres weniger vom dafür möglichen maximalen Gesamtwert von 50 Euro monatlich verbraucht. 

Steuerfreier Corona-Bonus für Pflegekräfte

Durch eine neu eingeführte Regelung im vierten Corona-Steuerhilfegesetz können Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflege- und Rettungsdienste ihren Beschäftigten bis zu 4.500 Euro steuerfrei als Anerkennung besonderer Leistungen während der Corona-Krise bezahlen (§ 3 Nr. 11b EStG). 

Außerdem sollen Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bis Ende des Jahres 2022 einen steuerfreien Pflegebonus von bis zu 550 Euro pro Person erhalten. Dazu stellt das Pflegebonusgesetz insgesamt eine Milliarde Euro für Prämienzahlungen bereit. Die Mittel werden den Arbeitgebern – Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen – zur Verfügung gestellt und von diesen ausgezahlt. Der individuelle Prämienanspruch richtet sich nach Qualifikation, Arbeitszeit und Tätigkeit.

Steuerfreie Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld weiter möglich

Mit dem vierten Corona-Steuerhilfegesetz wurde unter anderem die Möglichkeit verlängert, Mitarbeiter:innen einen steuerfreien Zuschuss zum Kurzarbeitergeld zu bezahlen. Solche Zuschüsse können gemeinsam mit dem Kurzarbeitergeld maximal 80 Prozent des Entgeltausfalls (Soll-Entgelt minus Ist-Entgelt) betragen (§ 3a 28a EStG). Nun werden solche Zuschüsse, die während des ersten Halbjahrs 2022 gezahlt wurden, ebenfalls steuerfrei gestellt. 

Ursprünglich war die Regelung bereits zum 31. Dezember 2021 ausgelaufen. Arbeitgeber, die solche Zuschüsse seither gezahlt und versteuert haben, müssen ihre Lohnabrechnungen auch in diesem Punkt korrigieren. 

Homeoffice-Pauschale verlängert

Ebenfalls aufgrund von Corona wurde für 2020 und 2021 die Möglichkeit geschaffen, für jeden im Homeoffice verbrachte Arbeitstag pauschal fünf Euro an Werbungskosten geltend zu machen, bis zu einer Obergrenze von 600 Euro jährlich (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 4 EStG). 

Diese Möglichkeit wird nun auch für 2022 gelten. Auch das wurde im Rahmen des vierten Corona-Steuerhilfegesetzes beschlossen. Allerdings wird die Homeoffice-Pauschale wie bisher schon mit der nun auf 1.200 Euro erhöhten Werbekostenpauschale verrechnet.

Mindestlohn steigt auf 12 Euro, Minijob-Grenze auf 520 Euro

Der gesetzliche Mindestlohn, der ab dem 01. Juli 2022 ohnehin von 9,82 Euro auf 10,45 Euro pro Arbeitsstunde steigt, wird durch das Mindestlohnerhöhungsgesetz zum 01. Oktober des Jahres erneut angehoben, auf dann 12 Euro. 

Ebenfalls ab dem 01. Oktober beträgt die Grenze für geringfügige Beschäftigungen 520 Euro statt wie jetzt 450 Euro. Minijobs werden also zu 520-Euro-Jobs. In Zukunft soll die Grenze dann dynamisch steigen, gekoppelt an die Mindestlohn-Entwicklung. Unvorhergesehene Überschreitungen der Geringfügigkeitsgrenze darf es in Zukunft nur noch in zwei statt wie bisher in drei Monaten geben. 

Mit der Anhebung der Geringfügigkeitsgrenze wird auch der Übergangsbereich für Midijobs neu gestaltet. Bisher fallen darunter Tätigkeiten mit einem Monatsentgelt von mehr als 450 Euro bis zu maximal 1.300 Euro. In Zukunft gelten die Regelungen für den Übergangsbereich, wenn das Monatsentgelt mehr als 520 Euro bis zu maximal 1.600 Euro beträgt. Gleichzeitig werden die gleitend steigenden Anteile für die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung bei Midijobs erhöht.

Lust, bei der Gehaltsabrechnung Zeit zu sparen?

Das könnte Ihnen auch gefallen

lohnabrechnung online

Lohnabrechnung online oder mit Steuerberater:in?

minijob lohnabrechnung

Lohnabrechnung bei Mini- und Midijobber

Lohnabrechnung für Studenten

Lohnabrechnung für Studenten und Azubis

vorbereitende Lohnbuchhaltung

Warum ist die vorbereitende Lohnbuchhaltung so wichtig?

Lohnzettel

Lohnzettel Erklärung

Masterclass Lohnabrechnung für Gründer:innen

Masterclass: Lohnabrechnung für Gründer

payfit logo
social network iconsocial network iconsocial network iconsocial network icon

bottom logo