Das ändert sich beim Midijob ab 01. Oktober 2022

Melanie Spreeberg

Brand & Content

Aktualisiert am 10.10.2022

Der Gesetzgeber hat einen Bestandsschutz bis 31. Dezember 2023 vorgesehen, gültig für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung von Midijobber:innen: So können diese bis zum 31. Dezember 2023 unter den bisherigen Regelungen versicherungspflichtig bleiben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erhöhung des Mindestlohns auf 12,00 Euro pro Stunde 

  • Direkte Auswirkung zukünftiger Mindestlohnerhöhungen auf die Geringfügigkeitsgrenze 

  • Erhöhung der Höchstgrenze für eine Beschäftigung im Übergangsbereich auf monatlich 1600 Euro inklusive neuer Berechnungsformel

Inhaltsverzeichnis

Lust, bei der Gehaltsabrechnung Zeit zu sparen?

Welche neuen Übergangsregelungen gelten ab Oktober 2022?

Für Mitarbeiter:innen, die Sie bis zum 30. September 2022 zwischen 450,01 Euro und 520 Euro brutto monatlich beschäftigen, sind als Minijobber:innen versicherungspflichtig. Den Versicherungsschutz behalten die Mitarbeiter:innen somit auch ab dem 01. Oktober 2022 unter bestimmten Voraussetzungen.  

Die obere Entgeltgrenze für Midijobber:innen wurde ebenfalls von 1.300 Euro auf 1.600 Euro pro Monat angehoben. Ab dem 01. Oktober 2022 liegt also eine Beschäftigung im Übergangsbereich, wenn das monatliche Entgelt kontinuierlich zwischen 520,01 Euro und 1.600 Euro liegt. 

Wie verändert sich dadurch die Versicherungslage?

Die Beschäftigten innerhalb des Übergangsbereichs werden künftig noch stärker entlastet. Die Übergangsregelungen besagen bisher, dass Arbeitnehmer:innen reduzierte Sozialversicherungsbeiträge in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlen. 

Mit der neuen Obergrenze würden diese Arbeitnehmer:innen ab 01. Oktober 2022 jedoch zu Minijobber:innen und demnach sozialversicherungsfrei werden. Hier würde der Nachteil entstehen, dass sie sich selbst krankenversichern müssten. Deswegen hat der Gesetzgeber einen Bestandsschutz bis 31. Dezember 2023 vorgesehen, der für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung gilt. 

Das heißt, dass Ihre Mitarbeiter:innen in diesen Versicherungszweigen bis zum 31. Dezember 2023 unter den bisherigen Regelungen für einen Midijob versicherungspflichtig bleiben. 

Für Ihre Mitarbeiter:innen fallen im Übergangsbereich also ab 01. Oktober 2022 geringere Sozialabgaben an und es entsteht kein Nachteil in der Rentenversicherung. Jedoch erhöht sich der Arbeitgeberanteil der beitragspflichtigen Einnahmen. Der Belastungssprung beim Übergang aus einer geringfügigen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung soll dadurch geglättet werden. Damit sollen Anreize geschaffen werden, über einen Minijob hinaus erwerbstätig zu sein. 

Wichtig: In der Rentenversicherung können diese Mitarbeiter:innen hingegen ab dem 1. Oktober 2022 aufgrund eines Midijobs der Versicherungspflicht unterliegen.

Was ist ein Midijob und was ändert sich ab 01. Oktober 2022? 

Unter Midijob versteht man im Niedriglohnsektor ein Mischwesen. Der Midijob steht somit zwischen einem Minijob und einer regulären Teilzeitbeschäftigung. Oftmals spricht man auch von einer Beschäftigung im Übergangsbereich. 

Der Midjob wurde 2003 durch die Bundesregierung eingeführt, um im Rahmen der Hartz-Reformen zu verhindern, dass Arbeitnehmer:innen, welche nur geringfügig mehr als in einem versicherungsfreien Minijob verdienen, benachteiligt werden. 

Diese Beschäftigungsform bietet sowohl für Arbeitnehmer:innen als auch für Arbeitgeber interessante Vorteile. 

Wie können Sie als Arbeitgeber vom neuen Übergangsbereich profitieren?

Bisher galt: Beschäftigte mit einem Entgelt zwischen 450,01 Euro und 520 Euro brutto bis 30. September 2022 liegen im Übergangsbereich mit reduzierten Sozialversicherungsbeiträgen. Diese Arbeitnehmer:innen würden ab 01. Oktober aber zu Minijobber:innen und sozialversicherungsfrei werden. Der Nachteil hier wäre, dass Sie sich in vielen Fällen selbst krankenversichern müssten.

Für diese Fälle hat der Gesetzgeber einen Bestandsschutz bis 31. Dezember 2023 vorgesehen, der die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abdeckt. Sie als Arbeitgeber müssen Ihre Mitarbeitenden fragen, ob sie diesen Bestandsschutz annehmen möchten und falls nicht einen Antrag auf Befreiung bei der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung (ggf. Rentenversicherung) stellen.

Diese Schritte sind bereits zeitintensiv, aber auch die Lohnabrechnung der Bestandsschutzfälle ist komplizierter. Das liegt daran, dass der/die Arbeitnehmer:in abgemeldet werden muss und zukünftig zwei Meldungen (Krankenkasse & Minijobzentrale) monatlich versendet werden müssen.

Diesen Verwaltungsaufwand können Sie sich sparen, indem Sie den Lohn auf 520,01 Euro anheben.

Was ist ein Midijob in Zahlen gesprochen?

Der Verdienst bei einem Midijob bewegt sich zwischen 520,01 Euro (ab dem 01. Oktober 2022) und weniger als 1.600 Euro (ab dem 01. Oktober 2022).

Die Kernidee des Midijobs ist, dem Arbeitgeber eine Varietät im Verdienst durch die o.g. Ober- und Untergrenze zu bieten. Wenn ein/e Arbeitnehmer:in jedoch mehreren Beschäftigungen nachgeht, ist das gesamte Arbeitsentgelt zur Einordnung des Arbeitsverhältnisses heranzuziehen.

Wichtig: Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld werden zusätzlich zum monatlichen Einkommen beim Bruttoarbeitsentgelt berücksichtigt. 

Sollte das Entgelt monatlich schwanken, muss der Arbeitgeber eine Schätzung oder Durchschnittsabrechnung, zur Berechnung der Steuern und Abgaben, durchführen.  

Ausnahmen: Ihre Ausbildungsverhältnisse (Praktikant:innen, Auszubildende, Absolvent:innen) zählen nicht als Midijob. Eingeschriebene Student:innen sind berechtigt einen Midijob auszuführen, wenn sie einen Rentenbeitrag abführen.

Was müssen Arbeitgeber bei Midijobs beachten?

Folgende Kriterien sollten bedacht werden, wenn Sie darüber nachdenken eine/n Mitarbeiter:in als Minijob oder Midijob anzustellen:

Sozialversicherungsabgaben

Als Arbeitgeber führen Sie bei einem Minijob an die Minijobzentrale Abgaben von 28 Prozent (Rentenversicherung 15 Prozent & Krankenversicherung 13 Prozent) ab. Sollte sich Ihr/e Mitarbeiter:in von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, müssen Rentenversicherungsbeiträge in Höhe von 3,6 Prozent gezahlt werden.

Bei einem Midijob sind die Abgaben für Sie als Arbeitgeber nur 20 Prozent, da nur die Hälfte des Gesamtsozialversicherungsbeitrags beachtet wird. 

Beispiel zur Berechnung der Beitragsbelastung

Beitragsbelastung Arbeitgeber bei Minijob:

520 Euro x 28 Prozent = 145,60 Euro

Beitragsbelastung Arbeitgeber bei Midijob

521 Euro x 19,875 Prozent = 103,55 Euro

Wie wird ein Midijob angemeldet?

Die Minijob-Zentrale, wie der Name schon erahnen lässt, ist lediglich bei der Anmeldung von Minijobber:innen zuständig. Bei einem Midijob müssen Sie als Arbeitgeber sämtliche Sozialversicherungen anmelden und mit den jeweiligen Sozialversicherungsträgern abrechnen. 

Wie viel dürfen Midijobber:innen arbeiten?

Per Gesetz darf die geleistete Stundenanzahl pro Tag acht Stunden nicht überschreiten. Im Midijob wirkt sich die Obergrenze von 1.600 Euro unmittelbar auf die möglichen Arbeitsstunden aus. 

Die 5 wichtigsten Vorteile für Arbeitnehmer:innen

Für Ihre Midijobber:innen fallen ab 01. Oktober 2022 geringere Sozialabgaben an und es entsteht kein Nachteil in der Rentenversicherung. Der Belastungssprung beim Übergang aus einer geringfügigen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung soll dadurch geglättet und Anreize geschaffen werden, über einen Minijob hinaus erwerbstätig zu sein. 

Rentenanspruch

Ihre Midijobber:innen zahlen geringere Arbeitnehmerbeiträge bei vollen Rentenansprüchen. 

Steuern

Midijobber:innen zahlen nur in bestimmten Fällen Lohnsteuer. Wichtig ist dabei, ob der Midijob Haupt- oder Nebenbeschäftigung ist. Auch die Steuerklasse spielt hier eine Rolle: Die Steuerklassen I bis IV zahlen keine Lohnsteuer. Hingegen in den Klassen V und VI muss die Lohnsteuer abgeführt werden.

Kranken- und Pflegeversicherung

Ein/e Midijobber:in ist mit niedrigeren Beiträgen, aber mit vollen Leistungen, kranken- und pflegeversichert.

Arbeitslosenversicherung

Waren Mitarbeiter:innen als Midijob mindestens 12 Monate am Stück angestellt, erhalten sie Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung über eine Dauer von 12 Monaten. Wie bei Vollzeitbeschäftigung ist dabei die Höhe des Arbeitslosengeldes 60 Prozent vom Durchschnittsnettoverdienst der vergangenen 12 Monate und  7 Prozent mehr (76 Prozent), wenn sie Kinder haben. 

Zusätzliche Nebenbeschäftigung

Midjobber:innen ist es möglich nebenbei auch noch einen Minijob als Beschäftigung zu haben. Ein Zusatzverdienst von maximal 6.240 Euro sind steuerfrei möglich. Die Pauschale trägt hierbei der Arbeitgeber. 

Nachteil des Midijobs

Durch einige Sonderregelungen ist der administrative Aufwand bei Midijobber:innen höher als bei Minijobber:innen. Hier kann beispielsweise eine digitale und automatisierte Software wie PayFit Abhilfe leisten, um die Vorteile geschickt zu nutzen und mit allem rund um Lohn weniger Zeit zu verbringen.

Lust, bei der Gehaltsabrechnung Zeit zu sparen?

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