Wie sieht die Lohnabrechnung für Gründer:innen und Unternehmer:innen aus?

Melanie Spreeberg

Brand and Content Manager

Aktualisiert am 27.09.2022

Ein Unternehmen zu gründen ist an sich schon ein aufregender Schritt, der wohl geplant sein will. Eine gute Idee, Unternehmergeist und gegebenenfalls Startkapital sind dabei essenziell. Doch was sind die Grundvoraussetzungen und was muss beachtet werden, wenn die ersten tatkräftigen Hände gefunden sind und man sie offiziell als Mitarbeiter:innen anstellen möchte? Was ist dann für die (erste) Lohnabrechnung wichtig?

Im folgenden Artikel beantworten wir Ihnen diese Fragen in einem umfassenden Guide “Lohnabrechnung für Gründer:innen und Unternehmer:innen”. 

Inhaltsverzeichnis

Lust, bei der Gehaltsabrechnung Zeit zu sparen?

Die Anstellung von Mitarbeiter:innen

Als Arbeitgeber sind Sie dazu verpflichtet, Ihren Angestellten Lohnabrechnungen auszuhändigen. Bereits bevor es zur ersten Lohnabrechnung kommt, sollten Sie folgende Punkte vor der Einstellung von Mitarbeiter:innen (auch Minijobber) beachten und erledigen.

Selbst wenn Sie zu Anfang nur Minijobber:Innen oder Teilzeitkräfte einstellen: Der Prozess bleibt im Grunde derselbe.

Erste Schritte für Unternehmer:innen 

Vor der Einstellung der ersten Mitarbeiter:innen müssen Sie sich zunächst um relevante Genehmigungen, Identifikationsnummern sowie Versicherungen kümmern. 

Schritt 1: Gewerbeanmeldung

Der erste Gang führt immer zum Gewerbeamt. Hier wird Ihr Gewerbe angemeldet und Ihnen eine Bescheinigung ausgehändigt, welche die Gewerbeausübung offiziell erlaubt. Das Gewerbeamt leitet die Information, dass Sie ein Gewerbe angemeldet haben, meist an das Finanzamt, die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK) sowie das Gewerbeaufsichtsamt weiter.

Eine Online-Anmeldung ist teilweise auch möglich.

Schritt 2: Registrierung beim Finanzamt

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist ein Dokument, welches Sie online beim Bundeszentralamt für Steuern herunterladen können. Alternativ bekommen Sie den Fragebogen direkt beim Finanzamt. Er ist die Grundlage für die Beantragung von Steuernummer und Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. 

Steuernummer

Das Finanzamt vergibt die Steuernummer an steuerpflichtige Unternehmer:innen und Unternehmen beim erstmaligen Kontakt. 

Die Steuernummer muss ab sofort beispielsweise bei Rechnungsstellung angegeben werden.

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) ist ein Identifikationsmerkmal für EU-Unternehmer im Bereich der Umsatzsteuer. Sie wird benötigt, wenn Sie am Waren- und Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU teilnehmen möchten.

Schritt 3: Beantragung der Betriebsnummer 

Ihre Betriebsnummer erhalten Sie bei der Agentur für Arbeit. Sie dient der Erfüllung der Meldepflichten bei den Krankenkassen und wird beispielsweise bei An- und Abmeldung von Arbeitnehmer:innen benötigt.

Schritt 4: Versicherung bei der Berufsgenossenschaft

Berufsgenossenschaften sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie sind darüber hinaus Ansprechpartner rund um Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Als Gründer:In eines Unternehmens sind Sie versicherungspflichtig, für Selbstständige und Freiberufler besteht keine Pflicht. Die Unfallversicherung sichert das Unternehmen gegen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ab. 

Jedes Unternehmen erhält dabei eine Mitgliedsnummer. Diese Nummer benötigen Sie auch für die Anmeldung Ihrer neuen Mitarbeiter:innen. Offiziell sollten Sie die Betriebsnummer eine Woche nach Registrierung Ihres Unternehmens beim Gewerbeamt beantragen.

Bitte beachten

Je nachdem, in welchem Gewerbe Sie tätig sind, können weitere Anmeldungen erforderlich sein. Mehr dazu erfahren Sie in unserem FAQ-Artikel.

Wichtige Versicherungen für Unternehmer:innen

Bei der Gründung eines Unternehmens sollten immer relevante Risiken ermittelt und abgeschätzt werden. Das hilft bei der Entscheidung, welche Versicherungen das Unternehmen wirklich abschließen sollte. Es ist wie im Privatleben: Je risikofreudiger eine Person ist, desto weniger Versicherungen sind erforderlich. 

Die Risiken, bei denen ein eventueller Schaden mit hohen finanziellen Auswirkungen entstehen kann, sollten zuerst versichert werden. Stellen Sie am besten eine Top-Down-Rangordnung auf und wägen Sie die Risiken gründlich ab.

Mögliche Risiken:

  • Brand- und Wasserschäden

  • Einbruch und Diebstahl

  • Personen- und Sachschäden gegenüber Dritten

  • Umsatzausfall durch Betriebsunterbrechung

  • Datenverlust

Wenn Sie die Risiken eingeordnet haben, kommen unterschiedliche Versicherungen in Frage. 

Betriebshaftpflichtversicherung

Die Betriebshaftpflichtversicherung deckt Schäden ab, die der Betrieb, die Mitarbeiter:innen oder Sie als Unternehmer:In selbst verursachen. Diese Versicherung ist für fast alle Unternehmen unverzichtbar.

Beispiel: Das kann bereits ein verlorener Schlüssel sein, denn das Austauschen alle firmeninternen Sicherheitsschlösser kann mitunter mehrere Tausende Euro kosten.

Vermögensschadenhaftpflicht

Die Vermögensschadenhaftpflicht dient der Absicherung vor finanziellen Verlusten, die entstehen, wenn bei Kunden und Klienten Vermögensschäden entstehen und Schadensersatz gefordert wird.

Beispiel: Eine Vermögensschadenhaftpflicht macht bei beratenden Berufen wie z.B. IT-Consultant oder Finanzberater:In, beziehungsweise Berufen bei denen durch eigene Dienstleistungen ein finanzieller Nachteil für den Kunden entstehen kann, Sinn.

Inventarversicherung bzw. Inhaltsversicherung

Die Inventarversicherung ist sozusagen die Hausratversicherung für Unternehmen. Hierdurch werden Büro, Lagerbestände oder der Laden abgesichert. Versichert ist demnach das Inventar Ihres Unternehmens zum Neuwert.

Beispiel: Bei Raub, Einbruch, aber auch bei Wasser- oder Sturmschäden deckt sie die entstehenden Schäden ab. Da meist Dinge in einem Betrieb fremdfinanziert sind, können durch einen Einbruch extreme finanzielle Belastungen entstehen. Neben Aufräumarbeiten und das Ersetzen von gestohlene Objekte und Waren muss unter Umständen auch Ausfall der Geschäftigkeitstätigkeit kompensiert werden. In solchen Fällen sichert die Inventarversicherung beispielsweise laufende Kosten oder entgangenen Gewinn ab. 

Ertragsausfallversicherung

Eine Betriebsunterbrechungsversicherung ist eine Sammelbezeichnung. Darunter werden die Versicherungsarten der Schadenversicherung zusammengefasst, die Versicherungsschutz für Erlöseinbußen infolge einer Betriebsunterbrechung oder Beeinträchtigung in der betrieblichen Leistungserstellung und -verwertung gewährleisten.

Beispiel: Aufgrund der aktuellen Corona Pandemie sind Gastronomien mit regelmäßigen Einschränkungen in ihrem Betrieb konfrontiert. Hier könnte eine Betriebsschließungsversicherung beispielsweise unterstützen. Sie sichert Vermögensschäden ab, die dem versicherten Betrieb dadurch entstehen, dass die z.B. zuständige Behörde infolge des Auftretens einer nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtigen Krankheit bzw. Krankheitserregers die Betriebsschließung oder andere entsprechende Maßnahmen anordnet.

Weitere mögliche Versicherungen für Gründer

  • Vermögensschadenhaftpflichtversicherung

  • Betriebsunterbrechungsversicherung

  • Geschäftsinhaltversicherung

  • Managerrechtsschutz

Verschiedene Anstellungsformen

Die rechtlichen Grundlagen sind geschaffen, Versicherungen abgeschlossen – von Unternehmensseite aus kann es losgehen. Bevor Sie den ersten Mitarbeitenden einstellen, sollten Sie sich sich klar werden, welche Fähigkeiten bzw. wen genau Sie brauchen. Denn verschiedene Anstellungsformen bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile. 

Auf dieser Basis kann eine bessere und vor allem wirtschaftlichere Entscheidung getroffen werden, welche Anstellungsform aktuell am meisten Sinn macht. Insbesondere bei der Betrachtung der Kosten ist es wichtig zu berücksichtigen, dass neben dem Nettogehalt des Mitarbeitenden auch noch weitere Arbeitgeberkosten auf Sie zukommen.  

Grundüberlegungen und Gehaltskomponenten

Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter:innen sollten drei Komponenten eine Rolle spielen:

  1. Anforderungsprofil: Welche Qualifikationen sollte die Person mitbringen?

  2. Kosten für Ihr Unternehmen: Welche Anstellungsform rentiert sich für Sie am meisten?

  3. Geplante Länge der Beschäftigung: Brauchen Sie übergangsweise Unterstützung oder wollen Sie langfristig feste Mitarbeiter:innen?

Masterclass für Gründer:innen

Alles was Sie zur Lohnabrechnung für Gründer:innen und Unternehmer:innen wissen müssen, finden Sie sich auch im Videoformat in unserer Masterclass für Gründer:innen.

Wie entsteht ein Bruttogehalt?

Zum Nettogehalt addieren sich weitere Kosten wie Sozialabgaben, Steuern und sogenannte Umlagen. So summieren sich die unterschiedlichen Komponenten zum Bruttogehalt. Spätestens nach der Visualisierung der Abzüge wird verständlich und nachvollziehbar, warum es immer heißt, dass Lohnnebenkosten den finanziellen Personalaufwand um beinahe ein Drittel erhöhen.

Die verschiedenen Anstellungsformen 

Bei der Betrachtung des jeweiligen Level der Expertise und des Zeitrahmens in Kombination mit dem Verhältnis von Brutto- und Nettoausgaben zeigt sich nochmal klar: Mitarbeiter:innen mit geringer Stundenzahl und weniger Expertise sind für Sie als Unternehmer:in günstiger. Welche Kosten für Sozialabgaben und Steuern dann tatsächlich anfallen, muss einmal differenzierter betrachtet werden.

Niedrige Sozialabgaben und Steuern

Bei geringfügig sowie kurzfristig Beschäftigten zahlen Sie als Arbeitgeber vergleichsweise wenig Steuern und Sozialabgaben. Die Zeit, die sie für Ihr Unternehmen tätig sein können sowie die berufliche Qualifikation sind allerdings begrenzt. 

Minijobber (Geringfügig Beschäftigte)

Minijobber dürfen pro Monat mit maximal 450 € vergütet werden und dementsprechend wenig Arbeitsstunden leisten. Die Meldungen und Zahlungen für die Sozialversicherungen erfolgen zur Minijob Zentrale (Knappschaft). Die Sätze sind allerdings angepasst.

✅  Steuern

✅  Rentenversicherung

✅  Unfallversicherung

✅  Krankenversicherung 

❌  Kurzarbeit 

❌  Pflegeversicherung

❌  Arbeitslosenversicherung

Kurzfristig Beschäftigte

Kurzfristig Beschäftigte dürfen längstens 3 Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr angestellt sein. Es darf keine Berufsmäßigkeit vorliegen und es besteht keine Sozialversicherungspflicht.

✅  Steuern

✅  Unfallversicherung

❌  Rentenversicherung

❌  Krankenversicherung

❌  Kurzarbeit 

❌  Pflegeversicherung

Niedrige Kosten und Zukunftsperspektive

Eine zukunftsorientierte und zugleich kostengünstige Anstellungsform ist die der Werkstudent:Innen und Praktikant:Innen. Hierbei fallen weiterhin relativ wenig Sozialabgaben an, im besten Fall bringen die neuen Kolleg:Innen hier allerdings schon mehr Expertise mit.

Werkstudent:Innen

Werkstudent:Innen müssen immer auch regulärer, eingeschriebene Student:Innen sein. Während des Semesters ist die Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche begrenzt, in den Semesterferien kann unbegrenzt gearbeitet werden.

✅  Steuern

✅  Rentenversicherung

✅  Unfallversicherung

❌  Krankenversicherung 

❌  Kurzarbeit 

❌  Pflegeversicherung

❌  Arbeitslosenversicherung

Praktikant:Innen

Bei Praktikant:Innen ist die Definition, welche Sozialabgaben und Steuern fällig werden, abhängig von unterschiedlichen Komponenten. 

  • Um was für eine Art Praktikum handelt es sich (Schüler:In, Student:In, Absolvent:In)?

  • Wird das Praktikum vergütet? Wenn ja, übersteigt das Entgelt 450€? 

  • Ist das Praktikum freiwillig oder handelt es sich um ein Pflichtpraktikum?

Ohne diese Details kann nicht genau festgelegt werden, welche Sozialabgaben anfallen.

Niedrige Sozialversicherungsbeiträge 

Midijobber (Übergangsbereich)

Beträgt das Gehalt 450,01€ - 1.300€, handelt es sich um einen Übergangsbereich. Hier besteht eine Versicherungspflicht, allerdings ist der Arbeitgeber-Anteil unverändert. Es betrifft lediglich den Arbeitnehmer-Anteil, dieser fällt geringer aus. Die Beitragsbelastung steigt somit mit dem Einkommen, ab 1.300€ ist die volle Beitragslast fällig. Der/Die Mitarbeiter:in ist demnach voll sozialversicherungs- und lohnsteuerpflichtig. 

Volle Kosten für Sozialabgaben und Steuern

Regulärer Arbeitsvertrag

Bei einem regulären Arbeitsvertrag fallen alle Steuer- und Sozialabgaben für den/die Mitarbeiter:in an. Ebenso kann für Mitarbeiter:innen auch Kurzarbeit angeordnet werden, das ist bei den anderen Anstellungsformen größtenteils (mit Ausnahme der Midijobber) nicht so.

✅  Steuern

✅  Rentenversicherung

✅  Unfallversicherung

✅  Krankenversicherung 

✅  Kurzarbeit 

✅  Pflegeversicherung

✅  Arbeitslosenversicherung

Betriebsprüfung durch Rentenversicherung

Die Rentenversicherung kann eine Betriebsprüfung ansetzen. Dafür müssen Sie gewissen Dokumente bereithalten.

Lust, bei der Gehaltsabrechnung Zeit zu sparen?

Benötigte Mitarbeiterdaten für die erste Lohnabrechnung 

Sie haben Ihren ersten Mitarbeitenden eingestellt. Für die erste Lohnabrechnung sollten Sie direkt bei der Einstellung der Arbeitnehmer:in die wichtigsten Dokumente und Informationen einholen.

Folgende Informationen benötigen Sie:

  • Personalstammdaten der Arbeitnehmer:innen (Name, Geburtsdatum usw.)

  • Daten zum Arbeitsverhältnis (Stunden, Entgelt, Urlaubstage usw.)

  • Daten zu vermögenswirksamen Leistungen oder betrieblicher Altersvorsorge

  • Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse

  • Steueridentifikationsnummer

  • Sozialversicherungsausweis

Folgende Daten benötigen Sie nur im Sonderfall:

  • Nachweis der Elternschaft, falls dies aus dem Kinderfreibetrag nicht ersichtlich ist (Pflegeversicherungszuschlag für Kinderlose)

  • Schwerbehindertennachweis

  • Urlaubsbescheinigung des früheren Arbeitgebers

  • Arbeitsgenehmigung (nur bei Arbeitnehmern aus NICHT-EU-Ländern) 

Erstellung der ersten Lohnabrechnung

Die ersten Mitarbeiter:innen sind eingestellt und ihre erste Lohnabrechnung erhalten. Was Sie jetzt noch beachten müssen und wie die Abrechnung genau funktioniert lesen Sie hier.

Monatliche Variablen in der Lohnabrechnung

Selbst, wenn das Bruttolohn festgelegt ist, gibt es Monat für Monat zusätzliche Variablen, die direkten Einfluss auf die Lohnabrechnung haben können. So sollten pro Monat und Mitarbeiter:in folgende Punkte überprüft werden

  • Sind alle Urlaube, Krankheiten und andere Abwesenheiten richtig erfasst worden? 

  • Gab es eventuell Sonderzahlungen oder Boni?

  • Bekommt der jeweilige Mitarbeiter Provisionszahlungen?

  • Wurden andere Zusatzleistungen bezogen oder muss Kilometergeld ausgezahlt werden? 

  • Hat ein/e Mitarbeiter:in Auslagen eingereicht, die zurückerstattet werden müssen? 

  • War der/die jeweilige Mitarbeiter:in in Kurzarbeit?

Diese Komponenten spielen bei den Berechnungen eine große Rolle und sollten somit im Auge behalten werden. Je nachdem welche Form der Lohnabrechnung Sie nutzen, sollten Sie diese Informationen direkt im System hinterlegen oder mit dem Steuerberater abstimmen.

Berechnung des Arbeitsentgelt

Für die Berechnung des Arbeitsentgelts der Mitarbeiter:in gibt es zwei Basis-Rechnungen: die Bruttorechnung und die Nettorechnung. Wir erklären im Folgenden den Unterschied und die jeweiligen Komponenten.

Brutto- und Nettorechnung

Bei der Bruttorechnung wird der laufende Arbeitslohn bestimmt. Zum Arbeitslohn gehören neben Lohn oder Gehalt, die Bewertungen von Sachbezügen und sonstigen Bezügen wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Prämien.

Für jede dieser Variablen muss die Lohnsteuerpflicht und die Sozialversicherungspflicht geprüft werden. Hieraus bestimmt sich dann wiederum das Steuer- und Sozialversicherungs-Brutto (SV-Brutto). 

Bei der Nettorechnung dreht sich alles um die Abzüge der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.

Steuern und Sozialabgaben bei der Lohnabrechnung

Lohnsteuer

Die Lohnsteuer ist die Vorauszahlung der Einkommensteuer. Sie ist abhängig von der Höhe des Lohns und den Steuerdaten der Arbeitnehmer:innen. Die Lohnsteuertabelle wird jährlich aktualisiert. 

Kirchensteuer 

Sofern die Arbeitnehmer:innen kirchensteuerpflichtig ist, beträgt die Kirchensteuer in Bayern und Baden-Württemberg 8% der Lohnsteuer – in allen anderen Bundesländern liegt sie bei 9% der Lohnsteuer.

Sozialversicherungsbeiträge

Die Sozialversicherungsbeiträge werden jeweils zur Hälfte vom Arbeitgeber und von Arbeitnehmer:innen getragen.

Krankenversicherung

Der Grundbeitragssatz zur Krankenkasse liegt 2020 bei 14,6%, hinzu kommt ein individueller Krankenkassensatz. Dieser liegt durchschnittlich bei 1,1%. Auf Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber entfallen jeweils 7,3%.

Pflegeversicherung

Der Beitrag zur Pflegeversicherung beträgt 3,05% und wird in den meisten Bundesländern je zu 1,525% von Arbeitgeber und Arbeitnehmer:innen getragen. Eine Ausnahme stellt Sachsen dar, wo der Arbeitgeber 1,025% übernehmen Arbeitnehmer:innen 2,025%. Kinderlose Arbeitnehmer:innen über 23 Jahren zahlen zusätzlich 0,25%.

Rentenversicherung

Der Rentenversicherungsbeitrag liegt bei 18,6% und wird von beiden Parteien jeweils zu 9,3% getragen.

Arbeitslosenversicherung

Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung beträgt 2,4% und wird von Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber zu jeweils 1,2% übernommen.

Solidaritätszuschlag

Der Solidaritätszuschlag wurde zur Unterstützung der deutschen Einheit eingeführt und liegt bei 5,5% der Lohnsteuer. Bitte beachten, dass ab 2021 dieser für fast 90% der Mitarbeiter:innen entfällt.

Die Auszahlungsrechnung

Nach Abzug der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge werden vom Nettoentgelt die Nettoabzüge und Nettobezüge abgezogen beziehungsweise addiert. Diese sind steuerfrei und auch beitragsfrei, daher erfolgt der Abzug erst nach Berücksichtigung der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.

Zahlungen und Fristen der Lohnabrechnung

Bezüglich der zu leistenden Beiträge gibt es Fristen, die für die gesammelten Zahlungen einzuhalten sind. Außerdem gibt es mitarbeiterindividuelle Deadlines, in denen neue Mitarbeiter:innen beispielsweise angemeldet werden müssen.

Lohnsteuer

Als Arbeitgeber müssen Sie die Lohnsteuer bis zum 10. des Folgemonats an das Betriebsstättenfinanzamt zahlen. Der Zahlungseingang muss spätestens drei Tage später erfolgen.

Sozialversicherungbeiträge

Die Beiträge zur Sozialversicherung gehen an die Krankenkasse der Arbeitnehmer:innen. Bei  geringfügig Beschäftigten wie Midijobbern sind die Beiträge an die Knappschaft zu zahlen.

Neben dem sogenannten Beitragsnachweis, der für jede Krankenkasse die Beiträge zusammenfasst, sind individuelle Meldungen zu tätigen.

Beitragsnachweise

Es gibt für jede Krankenkasse einen Beitragsnachweis mit allen Sozialversicherungsbeiträgen. Die Krankenkassen verteilen die Beiträge dann an die jeweiligen Stellen. 

Neben der Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung müssen hier auch die Insolvenzumlage 0,06% und die Umlage für den Krankheitsfall (U1) und der Mutterschaft (U2) geleistet werden. Die Pflicht zur Abführung der U1 besteht nur für Unternehmen mit weniger als 30 Arbeitnehmern. Die Höhe der U1 ist krankenkassenindividuell, die Höhe der U2 beträgt 0,47%

Arbeitnehmerindividuelle Fristen

Zu den Fristen, die individuell für ArbeitnehmerInnen gelten, gehören Anmeldungen, Abmeldungen, Änderungsmeldungen oder Unterbrechungsmeldungen. 

Für Anmeldungen und Abmeldung gilt eine Frist von 6 Wochen nach Beginn oder Ende der Beschäftigung. In bestimmten Bereichen gilt eine Sofortmeldepflicht, das heißt, dass der Krankenkasse die Anmeldungen spätestens mit Aufnahme der Beschäftigung vorliegen müssen.

Verschiedene Abwicklungsarten der Lohnabrechnung

Obwohl Sie nun einen sehr guten Überblick über die einzelnen Bestandteile und Prozesse der Lohnabrechnung haben, ist es externe Unterstützung in der Praxis trotzdem ratsam. Ob diese Unterstützung direkt von Steuerberater:innen oder einer intuitiven Software kommt, ist dabei Ihre Entscheidung. Im Folgenden stellen wir Ihnen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten auf einen Blick vor.

Steuerberater:innen 

Eine sehr übliche Option die Lohnabrechnung abzuwickeln ist über Steuerberater:innen. Diese arbeiten freiberuflich oder als Teil einer Steuerberatung. Dabei ist die Lohnabrechnung neben der Buchführung häufig Teil eines umfassenderen Angebotspaket.  

Vorteile:

  • Möglichkeit eines umfassenden Angebotspaket

  • Geringe Eigenverantwortung in der Durchführung

  • Keine Lohnabrechnung Expertise notwendig

Nachteile:

  • Häufige und komplexe Kommunikation zur Abstimmung

  • Viel Papierarbeit 

  • Fehlende Preistransparenz durch Gesamtpreis für Angebotspaket

  • Fehlende Kontrolle über Datenmanagement

  • Abhängigkeit von dritten Partei in der Durchführung 

  • Aufgrund von fehlender Automatisierung vermehrt Fehler möglich

  • Zeitaufwendige Verteilung von Lohnabrechnungen an Ihre Mitarbeiter:innen

DATEV

DATEV ist eine Lohnabrechnungs-Software, mit der die meisten Steuerberater:innen oder Lohnbuchhalter:innen arbeiten. Die Software selbst hat ebenfalls ein sehr umfassendes Angebot, welches jedoch auch eine hohe Komplexität erzeugt und dadurch weniger nutzerfreundlich als Alternativen sein kann. Für die interne Nutzung von DATEV sollten Sie bereits mit der Software vertraut sein oder Mitarbeitende einstellen, die mit DATEV die Lohnabrechnungen durchführen können.

Vorteile:

  • Mehr Kontrolle in der Durchführung 

  • Schutz sensibler Daten (nur interne Weitergabe der Daten)

  • Schnelle Adaption von gesetzlichen Veränderungen

Nachteile:

  • Durch hohe Komplexität der Software braucht es Lohnabrechnungsexperten zur Durchführung

  • Fehlender Kundenservice und Erklärungen zur Handhabung

  • Dadurch entstehende Fehler kosten Zeit und Geld 

  • Zusätzliche Kosten für Softwarelösungen und Trainings

Lohnabrechnung leicht gemacht – von Anfang an.

Sie merken: Die Welt der Lohnabrechnung ist sehr komplex. Wir hoffen, Ihnen einen guten Einblick gegeben zu haben, sodass Sie sich nun auf die Suche nach den ersten Mitarbeiter:innen machen können. 
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Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken. PayFit übernimmt keine Haftung für den Inhalt. Es ist kein Ersatz für eine rechtliche Beratung durch eine/n Steuerberater:in oder Jurist:in. PayFit kann nicht für Schäden verantwortlich gemacht werden, die durch das Lesen oder die Nutzung der Website entstehen. Achten Sie auf das Datum der letzten Aktualisierung.

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