Jahreswechsel 2021/2022: Das ändert sich in der Lohnabrechnung

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Aktualisiert am 3.12.2021

Am 01. Januar 2022 tritt eine ganze Reihe von neuen Regelungen in Kraft, die sich auf die Lohnabrechnung auswirken. Hier haben wir die wichtigsten Änderungen ab dem neuen Jahr für Sie zusammengestellt. Unsere zusätzliche Checkliste für Arbeitgeber hilft Ihnen, nichts zu übersehen.

Angabe zur Krankenversicherung für kurzfristig Beschäftigte

Setzen Sie kurzfristig Beschäftigte als Aushilfen ein? Bei der Meldung dieser Beschäftigungsverhältnisse an die dafür zuständige Minijob-Zentrale müssen Sie ab Januar 2022 Angaben zur Krankenversicherung machen. Sie müssen sich dafür bestätigen lassen, dass Ihre Aushilfen gesetzlich krankenversichert sind oder eine andere Form von Absicherung im Krankheitsfall haben, zum Beispiel als Privatversicherte. Fragen Sie nach einem entsprechenden Nachweis, etwa einer Bescheinigung der Krankenkasse, und bewahren Sie ihn auf.

Neu ist ab 2022 auch, dass die Minijob-Zentrale Sie nach der Anmeldung über weitere kurzfristige Jobs der jeweiligen Person im gleichen Kalenderjahr informiert. So sehen Sie, ob womöglich eine Überschreitung der Höchstdauer droht: Kurzfristige Jobs dürfen zusammengenommen nicht mehr als drei Monate oder 70 Arbeitstage lang dauern, sonst werden sie sozialversicherungspflichtig. Weitere Infos zur neuen Meldepflicht für kurzfristige Beschäftigte finden Sie bei Haufe.de und in den „Gemeinsamen Grundsätze zur Datenübermittlung“ der Sozialversicherungsträger (Punkt 2.3, Seite 8 im PDF-Dokument).

Angabe der Steuer-ID bei 450-Euro-Kräften

Auch bei Minijobber:innen umfasst die Meldung zur Sozialversicherung ab 2022 zusätzliche Angaben. In Zukunft will die Minijob Zentrale die lebenslang gültige, 11-stellige Steuer-ID von 450-Euro-Kräften wissen. Außerdem müssen Sie Ihre eigene Steuernummer als Arbeitgeber angeben und mitteilen, ob die Lohnsteuer als Pauschale in Höhe von zwei Prozent bezahlt wird oder individuell nach Steuermerkmalen. Die niedrige Pauschale ist der Normalfall.

Ihre geringfügig Beschäftigten kennen ihre Steuer-IDs nicht? Vielleicht finden sie diese Nummer in alten Lohnsteuerbescheinigungen oder Steuerbescheiden. Ansonsten bietet das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)die erneute Zusendung per Post an. Das Online-Formular sollte aber schnellstmöglich ausgefüllt werden, damit die Info bis Januar vorliegt. Das BZSt hat montags bis freitags zwischen acht und 16 Uhr eine Hotline für Fragen: 0228 4061240. Informationen zum neuen Meldeverfahren liefert das Blog der Minijob-Zentrale.

Im Juli kommt die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbestätigung

Das Jahr 2022 bringt das Ende der Krankschreibung auf Papier. Der „gelbe Zettel“ wird durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ersetzt. Der Austausch zwischen Arzt oder Ärztin und der Krankenkasse erfolgt spätestens ab Januar 2022 digital. Für Sie als Arbeitgeber macht sich die Änderung erst zur Jahresmitte bemerkbar: Ab dem 01. Juli 2022 erhalten auch Sie die ärztliche Krankschreibung in digitaler Form. Das gilt zumindest bei gesetzlich Krankenversicherten. Privat krankenversicherte Mitarbeiter:innen erhalten weiterhin Papier-Krankschreibungen.

Arbeitgeber müssen auch bei Altverträgen in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen

Schon seit 2019 müssen Arbeitgeber einen Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge leisten, wenn Beschäftigte neu mit der Entgeltumwandlung beginnen. Ab dem 01. Januar 2022 gilt das nun auch für Altverträge, die seit 2018 oder früher laufen.

Was ist eine Entgeltumwandlung?

Von einer Entgeltumwandlung spricht man, wenn Beschäftigte mit ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass in Zukunft ein Teil des Bruttogehalts des Arbeitnehmers für eine betriebliche Altersversorgung verwendet wird.

Der Pflichtzuschuss ist auf Einzahlungen in einen Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder eine Direktversicherung begrenzt. Er soll die Ersparnis an Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung ausgleichen: Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze sind sozialversicherungsfrei. Das entspricht 2022 einem Betrag von 282 Euro. Im Gegenzug wird ihnen ein Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 15 Prozent des umgewandelten Lohns oder Gehalts abverlangt. Mehr als die gesparten Arbeitgeberanteile müssen es aber nicht sein.

Sie können es sich einfach machen und jeden Monat 15 Prozent auf den Arbeitnehmer-Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge drauflegen. Oder Sie rechnen jeweils aus, wie viel Sie in diesem Monat an Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung sparen, und deckeln Ihren Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge entsprechend. Das lohnt sich vor allem, wenn jemand viel verdient und privat krankenversichert ist.

In vielen Fällen ist der Zuschuss bei bestehenden Verträgen ein praktisches Problem. Angesichts der Niedrigzinsen haben die Versorgungsträger wenig Interesse daran, Altverträge mit hohen Garantieleistungen aufzustocken. Alternativ kann der Arbeitnehmer ab 2022 um so viel weniger Entgelt umwandeln, wie der Arbeitgeber nun zuschießt. Damit bleibt der Einzahlungsbetrag gleich. Diese Lösung setzt die Einwilligung des oder der Beschäftigten voraus.

Mitarbeiter:innen haben in jedem Fall einen Anspruch auf Entgeltumwandlung, auch wenn Sie niemanden auf dieses Recht hinweisen müssen. Gleichzeitig können Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge viele Fehler begehen, für die sie im Zweifel haften. Deshalb ist Beratung durch Fachleute sinnvoll. Grundlegende Informationen zum Thema gibt es z. B. von Finanztip oder der Deutschen Rentenversicherung.

Weitere Änderungen ab 2022

  • Steuerfreie Sachbezüge: Die Freigrenze für steuerfreien Sachlohn steigt zum 01. Januar 2022 von 44 Euro auf 50 Euro monatlich. Gutscheine und andere Sachleistungen vom Arbeitgeber ermöglichen ein kleines Extra, von dem das Finanzamt nichts abbekommt. Allerdings gibt es einiges zu beachten, wie z. B. die IHK Köln erläutert.

  • Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung: Wenn Beschäftigte ab 23 keine Kinder haben, wird ein Zuschlag zur Pflegeversicherung fällig. Dieser steigt 2022 von 0,25 Prozent auf 0,35 Prozent. Den Zuschlag trägt allein der Arbeitnehmer.

  • Insolvenzgeldumlage: Diese Umlage müssen praktisch alle Arbeitgeber abführen. 2021 lag sie bei 0,12 %, im Jahr 2022 sind es nur noch 0,09 Prozent. 

  • Beitragsbemessungsgrenzen: In der Renten- und Arbeitslosenversicherung wird das Entgelt 2022 in den alten Bundesländern nur bis 7.050 Euro monatlich für Beiträge berücksichtigt, eine Senkung um 50 Euro. In den neuen Bundesländern liegt diese Obergrenze bei 6.750 Euro monatlich, ein Anstieg um 50 Euro. In der Kranken- und Pflegeversicherung bleibt es 2022 bundesweit bei der Beitragsbemessungsgrenze von 4.837,50 Euro pro Monat. Sämtliche Beitragssätze und Rechenwerte in der Sozialversicherung für das kommende Jahr listet Lohn-Info.de auf.

  • Mindestlohn: Der gesetzliche Mindestlohn steigt 2022 gleich zweimal: zunächst zum 01. Januar von 9,60 Euro auf 9,82 Euro und zum 01. Juli auf dann 10,45 Euro. Ausführliche Hinweise hat die IHK München zusammengestellt.

  • Hinzuverdienstgrenze: Die befristete Obergrenze für Rentner:innen, die die Altersgrenze noch nicht erreicht haben, wurde auf 2022 ausgedehnt: Ein Hinzuverdienst von maximal 46.060 Euro ist weiterhin ohne Rentenabschläge möglich.

  • Grundfreibetrag: ein Betrag in Höhe des Existenzminimums muss steuerfrei bleiben. Dieser Grundfreibetrag steigt 2022 auf 9.984 Euro, derzeit sind es 9.744 Euro.

  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende: Als Teil der Corona-Maßnahmen wurde diese Steuervergünstigung zunächst vorübergehend angehoben. Ab 2022 bleibt der Freibetrag nun dauerhaft bei 4.008 Euro. Über Freibeträge informiert Lohn-Info.de.

Jahreswechsel 2021/2022: Checkliste für Arbeitgeber

Damit Sie nichts übersehen, erinnert Sie diese kleine Checkliste an wichtige Änderungen ab 2022:

Geringfügig Beschäftigte: Sie benötigen die Steuer-ID von allen Minijobber:innen. Außerdem müssen Sie gegebenenfalls die Arbeitsstunden verkürzen, weil der Mindestlohn steigt (vgl. die Tabelle beim DGB).

✅ Kurzfristige Aushilfen: Sie benötigen ab 2022 einen Krankenversicherungsnachweis von Ihren Aushilfen.

✅ Betriebliche Altersvorsorge: Bei Entgeltumwandlung seit 2018 oder früher wird ein Arbeitgeberzuschuss fällig. ✅ eAU: Weisen Sie Ihre Arbeitnehmer:innen ausdrücklich darauf hin, dass sie sich trotz der Umstellung auf das digitale Verfahren weiterhin selbst krankmelden müssen, und zwar sobald wie möglich. 

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